Beiträge von Philipp_

    Rap ist seit über 40 Jahren Teil der Musikgeschichte. Und obgleich diese Zahl im Vergleich zu anderen Musikstilen gering scheint, war die Entwicklung in hohem Maße dynamisch und einflussreich. Wie kaum eine andere Musikrichtung hat das Rap-Genre politische, kulturelle und gesellschaftliche Veränderungen reflektiert und künstlerisch verarbeitet. Ein Verständnis der Vergangenheit ermöglicht daher in besonderem Maße eine differenzierte und facettenreiche Wahrnehmung der heutigen Szene. Im Rahmen dieser Kolumne versuchen wir eine kritische Würdigung herausragender Alben der Rap-Geschichte. Basierend auf einer subjektiven Auswahl, unter Berücksichtigung der Fachliteratur, präsentieren wir euch die unserer Meinung nach prägenden Alben deutschsprachiger Rapmusik. Die Auswahl umfasst Werke, deren Relevanz auf künstlerischer Qualität und/oder Innovation beruht, welche aber auch kommerziell wahrgenommen wurden. Gleichzeitig wurde auf eine Balance der verschiedenen Stilrichtungen geachtet, um einen möglichst ausgewogenen Blick auf die Entwicklung zu ermöglichen. Von jedem Künstler, den wir berücksichtigt haben, wurde jenes Werk ausgewählt, welches unserer Einschätzung nach zu einem Meilenstein geworden ist. Eines wird bei diesem knapp zwanzigjährigen Streifzug durch die Geschichte deutlich: Rap in Deutschland hat eine lehrreiche, kontroverse und sehr spannende Vergangenheit.




    RAG – Unter Tage (1998)



    01. Unter Tage
    02. Ohne Gewähr
    03. Westwind
    04. Klangkörpergrössen
    feat. Der Lange
    05. Requiem
    06. Kopf Stein Pflaster
    07. Terrarist
    08. Stratego
    09. Unter Tage (Kollabo-Remix)
    feat. Creutzfeld & Jakob und Criss Krass
    10. Kreuzwortfeuer


    "RAG, Kollaboration, tiefer unter Tage als die Kanalisation". Das waren die Zeilen, welche 1998 durch die Lautsprecher der HipHop-Community klangen. Zu diesem Zeitpunkt hatten Freundeskreis, Stieber Twins und im gleichen Jahr die Absoluten Beginner gezeigt, auf was für einem hohen Level sich deutsche Rapmusik bereits etabliert hatte. Aber das waren Acts aus Stuttgart, Heidelberg und Hamburg. Es wurde also definitiv Zeit, dass dem Ruhrpott die angemessene Anerkennung der Szene zuteil wurde. Mit Too Strong, Creutzfeld & Jakob und ABS war bereits anno 1998 höchstes Potenzial versammelt. Das erste Album, welches Rap aus dem Ruhrpott unwiederbringlich in die deutsche Rap-Historie einmeißelte, kam von der Ruhrpott AG, kurz RAG, einem Projekt der Gruppen Filo Joes (bestehend aus Pahel und Galla) und Raid (MC Aphroe und DJ Mr. Wiz). Beide waren zu diesem Zeitpunkt lange in der Szene aktiv. Raid waren beispielsweise auf dem Sampler "Die Klasse von '95" und Toni-Ls Album "Der Pate" (1996) gefeatured. Zudem waren sie Mitglied der Crew "La Familia", der auch Curse, Busy, Stieber Twins, Tatwaffe (Die Firma) und STF angehörten.


    "Unter Tage" auf einen Nenner zu bringen, ist selbst mehr als 15 Jahre nach dem Erscheinen des Albums unmöglich. Es ist ein Album, das einer völlig eigenen Logik und Ästhetik folgt. Die drei MCs Pahel, Aphroe und Galla als "Geburtenhelfer sinngeschwängerter Passagen" ("Ohne Gewähr") zeigen auf zehn Songs, wie komplex, vielschichtig und durchdacht Rap in deutscher Sprache funktionieren kann. Kein Track wird auf eine einzelne Aussage verengt, kein Vers auf eine einzelne Interpretation eingeschränkt, keine Argumentationslinie zu Ende gebracht, ohne nicht mindestens drei neue Sinnebenen erschlossen zu haben. Das alles geschieht in einer Eloquenz und sprachlichen Versiertheit, die es bis dahin auf diesem Niveau nicht gab und trotz dieser Ambitioniertheit weder akademisch noch verkopft daherkommt. Die Single "Kopf Stein Pflaster" über das Tourleben im Untergrund ist ein Beispiel, wie dieser Stil funktioniert:


    "Wenn Arbeit hier nicht Kraft mal Weg ist, widerleg es!/
    Denn als nächstes beweg' ich Träges, als wär es Tetris/
    Und nur ein paar Minuten später misst man im Quadranten Beta/
    Unseren Einschlag in verfluchten Newtonmeter/
    "
    (Aphroe auf "Kopf Stein Pflaster")


    Alle Songs auf "Unter Tage" bewegen sich auf diesem Niveau, gespickt mit zahlreichen direkten und indirekten Verweisen auf Zeitgeschichte, Religion, Gesellschaft, Musik, Geschichte, Politik und vieles mehr. Das alles erschließt sich nur allmählich und ist stellenweise so kryptisch und abstrakt, dass die Texte viele unterschiedliche Interpretationsebenen eröffnen. "Requiem", ein persönliches Lied von Galla an seine verstorbenen Eltern, zeigt darüber hinaus aber exemplarisch, wie emotional und menschlich diese Texte sein konnten, ohne jeden Kitsch und Pathetik: "Denke an unser Leben und eure Zeit zu zweit, denke an eure Reden und ein Leben in Gemeinsamkeit" heißt es da am Ende. Es ist vielleicht einer der bewegendsten Rapsongs auf Deutsch überhaupt. Am Ende funktioniert "Unter Tage" so brillant, weil viele Faktoren zusammenkommen: Melancholische Beats, die eine stimmige Atmosphäre schaffen. MCs, die flowlich und stimmlich perfekt harmonieren und lyrischen Tiefgang stilistisch nahezu perfekt umsetzen. Ein ästhetisches Gesamtkonzept, was über die komplette Albumlänge funktioniert. Es ist ein Album, das nicht nebenbei gehört werden kann. Es ist kein Entertainment im oberflächlichen Sinne. Es ist ein Album, dass man am besten nachts über Kopfhörer hört und auf ganzer Albumlänge auf sich wirken lässt. In all seiner kryptischen Unverständlichkeit ist dies hier ein Album, das jedem Hörer auf sehr vielen Ebenen sehr viel geben kann, wenn er sich darauf einlässt.


    "Unter Tage" ist eines der wenigen Alben, die in ihrer künstlerischen Eigenständigkeit so konsequent funktionieren, dass es schlichtweg keinem Alterungsprozess unterliegt. Es ist eines jener Alben deutscher Rapmusik, die nie antiquiert klingen werden und sich keiner Zeitperiode zuordnen lassen. Mit "P.O.T.T.ential" erscheint 2001 ein solider Nachfolger, ebenfalls auf dem Aachener Label Put Da Needle To Da Records, auf dem auch Kool Savas und Creutzfeld & Jakob zu Beginn ihrer Karrieren gesignt waren. Danach machen alle Beteiligten solo weiter. Galla veröffentlicht 2005 das Album "Swing Kind". Er verstirbt 2011. Pahel releast 2003 sein Soloalbum "Natur des Menschen". Aphroe lässt ganze neun Jahre auf sich warten, bis er 2010 mit "Kleiner Mann" neues Solomaterial veröffentlicht. In der Folge veröffentlicht er die von Kritikern hochgelobten Alben "90" (2012) und "2x45" (2013), beides Hommagen an den US-Rap der '90er-Jahre. Im Dezember 2010 wird "Unter Tage" nochmals in digitaler Version veröffentlicht. Die Original-Vinyl wird längst für dreistellige Beträge gehandelt. Der musikalische Stellenwert ist ohnehin mit Geld nicht aufzuwiegen.



    (Philipp_)



    Meilensteine-Kolumne Teil 1: Die Fantastischen Vier – 4 gewinnt (1992)


    Meilensteine-Kolumne Teil 2: Various Artists – Alte Schule (1993)


    Meilensteine-Kolumne Teil 3: Rödelheim Hartreim Projekt – Direkt aus Rödelheim (1994)


    Meilensteine-Kolumne Teil 4: Advanced Chemistry – Advanced Chemistry (1995)


    Meilensteine-Kolumne Teil 5: Stieber Twins – Fenster zum Hof (1996)


    Meilensteine-Kolumne Teil 6: Freundeskreis – Quadratur des Kreises (1997)


    Meilensteine-Kolumne Teil 7: Massive Töne – Kopfnicker (1996)


    Meilensteine-Kolumne Teil 8: Absolute Beginner – Bambule (1998)



    Meilensteine-Kolumne: Kommentare/Diskussionen/Ideen zur Kolumne

    Zitat

    Original von Professor Freizeit
    Propz an Dich Philipp der Artikel is gut ausformuliert & hat mich in Erinnerungen schwelgen lassen. Das Lesen hat mir Freude bereitet.


    Ich gebe das gerne weiter. Vielen Dank. Der Artikel ist nicht von mir, sondern wie darunter vermerkt von Matthias Schädl, der bereits die Review zu Freundeskreis geschrieben hat und auch hier wieder exzellent gearbeitet hat. Ich poste das lediglich mit meinem Account hier, meine eigenen Beiträge sind mit "Philipp" gekennzeichnet.

    Rap ist seit über 40 Jahren Teil der Musikgeschichte. Und obgleich diese Zahl im Vergleich zu anderen Musikstilen gering scheint, war die Entwicklung in hohem Maße dynamisch und einflussreich. Wie kaum eine andere Musikrichtung hat das Rap-Genre politische, kulturelle und gesellschaftliche Veränderungen reflektiert und künstlerisch verarbeitet. Ein Verständnis der Vergangenheit ermöglicht daher in besonderem Maße eine differenzierte und facettenreiche Wahrnehmung der heutigen Szene. Im Rahmen dieser Kolumne versuchen wir eine kritische Würdigung herausragender Alben der Rap-Geschichte. Basierend auf einer subjektiven Auswahl, unter Berücksichtigung der Fachliteratur, präsentieren wir euch die unserer Meinung nach prägenden Alben deutschsprachiger Rapmusik. Die Auswahl umfasst Werke, deren Relevanz auf künstlerischer Qualität und/oder Innovation beruht, welche aber auch kommerziell wahrgenommen wurden. Gleichzeitig wurde auf eine Balance der verschiedenen Stilrichtungen geachtet, um einen möglichst ausgewogenen Blick auf die Entwicklung zu ermöglichen. Von jedem Künstler, den wir berücksichtigt haben, wurde jenes Werk ausgewählt, welches unserer Einschätzung nach zu einem Meilenstein geworden ist. Eines wird bei diesem knapp zwanzigjährigen Streifzug durch die Geschichte deutlich: Rap in Deutschland hat eine lehrreiche, kontroverse und sehr spannende Vergangenheit.



    01. Das Boot
    02. Hammerhart (Album-Version)
    03. Rock on (LP-Version)
    04. Liebes Lied
    05. Füchse
    feat. Samy Deluxe
    06. Fahr’n
    07. Showmaster
    08. Geht was
    09. Geh bitte
    10. Nie nett
    feat. Das Bo & Ferris MC
    11. Mikro in der Hand feat. David P
    12. Nicht allein


    "Bambule" hat Hamburg endgültig ins Rapgedächtnis der Nation gezimmert. Als Konsens, als Blaupause und als Schmelztiegel des State of Minds der Hansestadt. Samy hatte seine Grüne Brille, die Pferdelunge und den Freestyle, Dendemann den Wortschatz, Fettes Brot die Radio-Hits, Ferris MC den Wahnsinn und Der Tobi & das Bo den Wahnwitz. Die Absoluten Beginner hatten anno '98 alles in Perfektion auf "Bambule" gebündelt. Sie näherten sich Rap wie die meisten Formationen Anfang der Neunziger: Zig Kumpels trafen sich, chillten, freestylten – ein erster fester Kern kristallisiert sich heraus. Die Sprache ist Englisch, man nimmt Demos auf – der feste Kern, der weiterhin fokussiert arbeitet, wird kleiner und zum Schluß bleibt die Stammcrew übrig. Eißfeldt, Denyo, DJ Mad und Platin Martin. Als das Debüt "Flashnizm [Stylopath]" in die Läden kommt, sind die Absoluten Beginner die Beastie Boys des deutschen Raps. Kein Sample zu schräg, keine Dubanleihe zu peinlich, kein Hall zu abstrus und kein Beat, über den man nicht seine juvenil-aufgeweckten Thesen und Tresenwitze schicken könnte. Doch die Beginner sind kein Rip-Off. Die ganze Platte atmet die Luft des Welthafens, die der Reeperbahn und irgendwie auch die von Piraten kurz vor dem Aufbruch. Der Untergrunderfolg gibt ihnen Recht.


    Statt Neid gibt es in Hamburg City Schulterklopfen. Es wird connected, es wird gefeaturet. Der Zusammenschluss wird öffentlich durch das lose Künstlerkollektiv "Mongo Clikke" repräsentiert. Mit Samy Deluxe, Ferris MC, Fünf Sterne Deluxe, Eins Zwo et cetera entsteht neben der "Kolchose" die kreativste Vereinigung für die nächsten Jahre. Hamburg war nicht nur auf der Landkarte, Hamburg rulet. "Bambule" konzentrierte sich auf die Essenz. In der WG. Im Keller. Mit Samples. Das Eindampfen aller Einflüsse und Richtungen. Das Ganze mit Major im Rücken. Dass im Zuge der Vorbereitungen Platin Martin das feste Boot verließ, bedeutete kein Ende der Freundschaft. Wieder kein Neid, keine Wut, sondern "rock on" und Kumpels 4 Life. So offenherzig zeigt sich auch die Platte. Mit zwei ungeplanten Hits für die breite Masse ("Liebes Lied" & "Hammerhart"), mindestens vier weiteren für die kreuzüber-hörende Jugend von damals sowie keinem Ausfall für die Rap-Hardliner war "Bambule" aus dem Stand in den noch jungen Deutschrap-Himmel geschossen. Diese Scheibe konnte überall laufen. Und das tat sie auch: im Jugendheim, im Radio, im Auto, auf der Seitenlinie am Platz beim Eisbeutelbekühlen der geschundenen Knöchel. You name it. "Bambule" hat nicht den Tiefgang von "Quadratur des Kreises", hat nicht die druckvolle Produktion von "Lauschgift", nicht das Vorreitertum von "Advanced Chemistry" und nicht den harten Kopfnick von "Fenster zum Hof". Doch "Bambule" hat seinen ureigenen, unverfälschten und originären Style. Einen Flavour, den es davor nicht gab und den bis dato auch nur die Beginner aufleben lassen können. Geschichte schreibt man nicht ab, Geschichte schreibt man selbst.


    "Eine Pfote am Mikro, eine auf den Tasten/
    Ein Auge aufs Geschäft, eines im Plattenkasten/
    Ein Ohr fürs Rudel, eins für den Gegner/
    Ein Tanzbein und ein Arschtreter/
    "
    (Eißfeldt auf "Füchse")


    "Bambule" ist derbe, weil die smoothen Beats (großteils von Eißfeldt) eine Stimmung erzeugen, die sowohl zeitlos und ortunabhängig ist, als auch, obwohl auf den ersten Blick widersprüchlich, die damalige Zeit perfekt einfängt und ganz klar nach Hamburg klingt. Nachts um zwei Uhr von der Reeperbahn über das Feld vorm Millerntor-Stadion und durch das Karolinenviertel nach Eimsbüttel zu laufen, dabei den steifen Wind im Frühjahr und Spätherbst zu spüren, den Geschmack von zu viel Rummischgetränken im Mund und den Hoodie bis tief über die Stirn gezogen. "Bambule" könnte kein besserer Soundtrack sein, um sich dabei nicht elend, sondern fresh zu fühlen. Gleichzeitig kann es auch aus einer Frittenbude auf den Landungsbrücken schallen, während man eine Unterhaltung mit einem schnoddrigen Kleinkutterkapitän über die Mode der jungen Dinger führt. Und als ob das nicht schon Kunststück genug wäre, ist es als Sahne auf dem eingelegten Fischfilet egal, ob es 1998, 2014 oder 2030 ist. Textlich wird zwar der Duden nicht neu erfunden, doch wenn Fake-MCs ihre verdiente Breitseite abbekommen, über den einzig wahren Flow (und warum man nur selbst ihn besitzt) referiert wird, das Revier an den Grenzen abgepinkelt und die Sozialkritik weniger den Globus als die enge Gesellschaft betrifft, dann wird das mit nordischem Charme und Augenzwinkern gemacht. Kein Haudrauf, kein Pistole, keine Vernichtungsszenarien, sondern alles streng nach den erlaubten Regeln der heiligen HipHop-Statuten. Und genau diese HipHop-Statuten werden als Basis von "Bambule" mit so viel Inbrunst vertreten, dass diese zwölf Songs in ihrer Schlüssigkeit einen Meilenstein unserer geliebten Kultur darstellen. Der szeneübergreifende Instant-Konsens ist dabei nicht weniger wert als der der Fantas oder Freundeskreis. Für die folgenden fetten Jahre konnten sich Newcomer noch lange auch bei den Beginnern bedanken.


    Zwei Jahre später bekam "Bambule" mit "Boombule" das beste Remix-Album, das je ein deutsches Rapalbum gekrönt hat. Die Entscheidung, welche Version von "Bambule" man noch heute auflegt, ist tagesformabhängig und immer richtig. Zum Goldstatus des Albums noch mal 50.000 abgesetzte Einheiten der Remix-Platte können nicht lügen. In der nächsten Zeit und am ersten Zenit der Bandgeschichte ging Eißfeldt zu Jan Delay über und nahm ein viel beachtetes Reggae-Album auf ("Searching for the Jan Soul Rebels"). Denyo blieb dem HipHop vorerst treu und releaset "Minidisco". DJ Mad drehte weiter die Wheels of Steel. Fünf Jahre nach "Bambule" holten die – mittlerweile auch offiziell – "Beginner" zum großen Wurf aus und katapultierten sich selbst mit "Blast Action Heroes" zu Recht auf Platz eins der deutschen Charts. Ein Status Quo, der damals bei Weitem noch nicht an der Tagesordnung war. Anstatt den Erfolg auszuschlachten, machten die Beginner jedoch das, was sie immer ausgemacht hat: Sie blieben sich treu. Und da sie befanden, dass es nicht die Zeit war, eine weitere Platte aufzunehmen, trennten sich die Wege erneut.


    Jan Delay fand den Funk, die Nation fand Jan Delay und so schickte er auch seine zwei nächsten Scheiben auf den Sonnenplatz von Media Control sowie seine nasale Stimme auf ausverkaufte Touren quer durch Deutschland. Denyo produzierte eine erfolglose weitere Rapplatte, bevor er einen Ausflug in den Indierock wagte. Den Erfolg von Jan oder den Beginnern konnte er damit nicht erreichen beziehungsweise wiederholen. Er heuerte beim Radio an und brachte auf VOX Schlagersänger und Rapper zur gegenseitigen Songinterpretation zusammen. Nachdem DJ Mad schon Videos für die Beginner als Regisseur realisierte, saß er auch bei Jan Delay und Xavier Naidoo hinter der Kamera. Seine Mixe gehören immer noch zum Besten, was Deutschland zu bieten hat. Mit HipHop im Herzen und "Each One Teach One" im Blut moderiert er mittlerweile seit zwei Jahrzehnten eine wöchentliche Show mit Gästen und qualitätsgeprüften Tracks. Nachdem die Beginner 2012 das Splash! rockten, keimte die erste, auch von der Band geschürte Hoffnung auf, dass ein neues Beginner-Album entsteht. Vorerst hat jedoch Jan den Rock in den Funk gebracht und 2014 sein neuestes Album releaset, das auch noch ausgiebig betourt werden will. Eine Video-Botschaft vom November 2013 stellt jedoch in typischer Beginner-Art klar, dass da noch was kommt. Wollen wir es alle hoffen.



    (Matthias Schädl)



    Meilensteine-Kolumne Teil 1: Die Fantastischen Vier – 4 gewinnt (1992)


    Meilensteine-Kolumne Teil 2: Various Artists – Alte Schule (1993)


    Meilensteine-Kolumne Teil 3: Rödelheim Hartreim Projekt – Direkt aus Rödelheim (1994)


    Meilensteine-Kolumne Teil 4: Advanced Chemistry – Advanced Chemistry (1995)


    Meilensteine-Kolumne Teil 5: Stieber Twins – Fenster zum Hof (1996)


    Meilensteine-Kolumne Teil 6: Freundeskreis – Quadratur des Kreises (1997)


    Meilensteine-Kolumne Teil 7: Massive Töne – Kopfnicker (1996)



    Meilensteine-Kolumne: Kommentare/Diskussionen/Ideen zur Kolumne

    Rap ist seit über 40 Jahren Teil der Musikgeschichte. Und obgleich diese Zahl im Vergleich zu anderen Musikstilen gering scheint, war die Entwicklung in hohem Maße dynamisch und einflussreich. Wie kaum eine andere Musikrichtung hat das Rap-Genre politische, kulturelle und gesellschaftliche Veränderungen reflektiert und künstlerisch verarbeitet. Ein Verständnis der Vergangenheit ermöglicht daher in besonderem Maße eine differenzierte und facettenreiche Wahrnehmung der heutigen Szene. Im Rahmen dieser Kolumne versuchen wir eine kritische Würdigung herausragender Alben der Rap-Geschichte. Basierend auf einer subjektiven Auswahl, unter Berücksichtigung der Fachliteratur, präsentieren wir euch die unserer Meinung nach prägenden Alben deutschsprachiger Rapmusik. Die Auswahl umfasst Werke, deren Relevanz auf künstlerischer Qualität und/oder Innovation beruht, welche aber auch kommerziell wahrgenommen wurden. Gleichzeitig wurde auf eine Balance der verschiedenen Stilrichtungen geachtet, um einen möglichst ausgewogenen Blick auf die Entwicklung zu ermöglichen. Von jedem Künstler, den wir berücksichtigt haben, wurde jenes Werk ausgewählt, welches unserer Einschätzung nach zu einem Meilenstein geworden ist. Eines wird bei diesem knapp zwanzigjährigen Streifzug durch die Geschichte deutlich: Rap in Deutschland hat eine lehrreiche, kontroverse und sehr spannende Vergangenheit.



    01. Kopfnicker
    02. Nichtsnutz
    03. Mutterstadt
    feat. Afrob & Max
    04. Betäubt & Taub
    05. Das Und Dies Remix
    06. Ausbruch
    feat. F.A.B.
    07. Mc's Sehn Mich
    08. Jurasta Park
    09. Trend II
    10. Ohne Ende '95
    11. Schoß Der Kolchose
    feat. Max, Afrob & Emil


    Als die Fantastischen Vier mit dem zweiten Studioalbum "4 gewinnt" im Jahr 1992 den kommerziellen Duchbruch schaffen, wird auch Stuttgart als HipHop-Standort prominent. Neben Hamburg und Heidelberg etablierte sich hier eine Szene, die, anders als in der anfänglichen Wahrnehmung, nur wenig mit der Attitüde und dem Sound der Fantastischen Vier gemeinsam hatte. Vielmehr stand die Untergrundszene der klassischen HipHop-Kultur nahe und war vor allem durch persönliche Kontakte eng vernetzt. Es war noch die Zeit, in der HipHop als Kultur eine sehr enge Nische ausfüllte: "Man hat sich auf der Straße einfach auch am Style erkannt", fasste es Schowi von den Massiven Tönen einmal zusammen. Ab 1992 organisierten sich die Rapper, DJs, Breaker und Sprüher in der "Kolchose", einem Zusammenschluss von Künstlern aus Stuttgart. Darin sind beispielsweise Afrob, Freundeskreis und auch die Massiven Töne organisiert. Ju, Schowi, Wasi und DJ 5ter Ton waren seit Beginn der 1990er in der Szene aktiv und gehören zu jener Alten Schule, welche sich in Jugendhäusern auf Jams traf und von den Fantastischen Vier nur aus dem Fernsehen etwas mitbekam.


    Die starke Vernetzung mit der jungen Rapszene war von Beginn an offensichtlich. Nach dem musikalischen Debüt mit der EP "Dichter in Stuttgart" (1995) sind die Stuttgarter auch auf dem Sampler "Die Klasse von '95" samt gemeinsamer Deutschland-Tour vertreten. Schowi gründet kurz darauf mit Johannes Strachwitz das "0711 Büro", welches die Szene in Themen wie Booking, Promotion und Merchandise organisiert. Musikalisch folgt 1996 das Debütalbum "Kopfnicker", natürlich über MZEE Records, welches szeneintern euphorisch aufgenommen wird. Es ist ein Album, das von der ersten bis zur letzten Minute eine ganz eigene Atmosphäre aufweist. Die Beats sind dabei hörbar amerikanisch beeinflusst – mit vielen Scratches und Samples, aber trotzdem in ihrer Reduziertheit und Stringenz überhaupt nicht nach Kopie klingend. Die Texte ausdrucksstark und versiert geschrieben, aber trotzdem authentisch und lebensnah. Die Flows weich und souverän, aber trotzdem nach Spontaneität und Jam klingend. Es ist das Werk einer jungen Gruppe kreativer Köpfe, die ohne jede kommerzielle Absicht ein Gesamtbild ihrer Lebenssituation entwirft und über die Dinge rappt, die sie beschäftigen und prägen. Ob geplant oder nicht, sei einmal dahingestellt: Die Massiven Töne drücken aus, was viele junge Menschen Mitte der 1990er empfinden:


    "Es ist mir aus den Augen abzulesen/
    Ich frage mich, wohin die Wege führen, die ich gehe/
    Versteh' es nicht, ertrag' es nicht, ich habe nichts/
    Ich will aus der Dunkelheit ins Tageslicht/
    "
    (Wasi auf "Nichtsnutz")


    Natürlich wird auch HipHop als Kultur gehuldigt ("Kopfnicker" und "Betäubt und taub"), oberflächliche Mainstream-Kultur und Prollgehabe verspottet ("Trend II") und mit "Mutterstadt" eine Hymne an die Heimatstadt Stuttgart geschaffen. "Es ist nicht, wo du bist, es ist, was du machst", heißt es da brillant formuliert von Max Herre im Refrain, der zusammen mit Afrob und Emil auch auf dem Possetrack "Kolchose" gefeatured wird. HipHop als Lebensgefühl, als Kontrast zur regulierten Arbeitswelt und dem allumfassenden Kommerz, als kreatives Betätigungsfeld und als eine Kultur, die Gemeinschaft, Rückhalt und Orientierung bietet: All diese Aspekte finden bei "Kopfnicker" Eingang in den Sound, die Lyrics und die Stimmung. Es ist ein Destillat aller positiven Aspekte der Kultur, ein Tribut an HipHop als Lebensgefühl und ein perfektes Beispiel für den Stand der Szene Mitte der 1990er, durchaus mit der musikhistorischen Relevanz eines "Bambule", wenn auch Letzteres in seiner Breitenwirkung nochmal eine andere Wirkungskraft entfaltete.


    Zwei Jahre nach "Kopfnicker" wechselten die Massiven Töne 1998 zum Major Eastwest und legten 1999 mit "Überfall" nochmals ein von Kritikern gelobtes und auch kommerziell erfolgreiches Album nach. Wasi verlässt die Gruppe ein Jahr später, 2000 folgt die Gründung von "Kopfnicker Records". Die beiden darauffolgenden Alben "MT3" (2002) und "Zurück in die Zukunft" (2005) beschädigen durch die Anbiederung an den Charts-Mainstream und inhaltlich belanglose Singles wie "Cruisen" und "Topmodel" den Ruf der Gruppe nachhaltig. Die Gruppe besteht bis heute weiter, wobei alle Mitglieder vor allem solo unterwegs sind. DJ 5ter Ton und Schowi sind beispielsweise unter anderem als DJs aktiv, Ju ist Texter in einer Stuttgarter Werbeagentur und ist als "Mister Santos" solo unterwegs. Wasi war lange musikalisch untergetaucht und zuletzt auf Rogers Album "4S Punks" vertreten. Ob es jemals ein neues Album der Massiven Töne geben wird, ist unsicher. Sicher ist dagegen, dass das Debüt "Kopfnicker" auch knapp zwanzig Jahre nach Veröffentlichung zu den Meilensteinen der deutschen Rapgeschichte gehört. Wenn es jemals eine Reunion-Tour geben sollte: Einen passenderen Anlass werden die Stuttgarter nie mehr finden.



    (Philipp)



    Meilensteine-Kolumne Teil 1: Die Fantastischen Vier – 4 gewinnt (1992)


    Meilensteine-Kolumne Teil 2: Various Artists – Alte Schule (1993)


    Meilensteine-Kolumne Teil 3: Rödelheim Hartreim Projekt – Direkt aus Rödelheim (1994)


    Meilensteine-Kolumne Teil 4: Advanced Chemistry – Advanced Chemistry (1995)


    Meilensteine-Kolumne Teil 5: Stieber Twins – Fenster zum Hof (1996)


    Meilensteine-Kolumne Teil 6: Freundeskreis – Quadratur des Kreises (1997)


    Meilensteine-Kolumne: Kommentare/Diskussionen/Ideen zur Kolumne

    Alleine "Good Will Hunting", "Good Morning, Vietnam", "König der Fischer" und "Zeit des Erwachens" sowie "Club der totel Dichter" reichen schon, um zu zeigen, dass der Mann einer der besten Schauspieler überhaupt war. Riesiger Verlust, aber seine Filme sind unsterblich.


    [YOUTUBE]qM-gZintWDc[/YOUTUBE]

    [YOUTUBE]DrgSzcctUyY[/YOUTUBE]


    Ein großartiger Song, aber vom Klangbild und der Qualität her einfach ganz anders als der Rest, den die Cars als Band fabriziert haben. Für mich würde das zu den späten Foreigner passen, weil die diesen 80er-Melancholie-Synthiesound einfach perfektioniert hatten.


    [YOUTUBE]CRECGP0LiDg[/YOUTUBE]

    Rap ist seit über 40 Jahren Teil der Musikgeschichte. Und obgleich diese Zahl im Vergleich zu anderen Musikstilen gering scheint, war die Entwicklung in hohem Maße dynamisch und einflussreich. Wie kaum eine andere Musikrichtung hat das Rap-Genre politische, kulturelle und gesellschaftliche Veränderungen reflektiert und künstlerisch verarbeitet. Ein Verständnis der Vergangenheit ermöglicht daher in besonderem Maße eine differenzierte und facettenreiche Wahrnehmung der heutigen Szene. Im Rahmen dieser Kolumne versuchen wir eine kritische Würdigung herausragender Alben der Rapgeschichte. Basierend auf einer subjektiven Auswahl, unter Berücksichtigung der Fachliteratur, präsentieren wir euch die unserer Meinung nach prägenden Alben deutschsprachigen HipHops. Die Auswahl umfasst Werke, deren Relevanz auf künstlerischer Qualität und/oder Innovation beruht, welche aber auch kommerziell wahrgenommen wurden. Gleichzeitig wurde auf eine Balance der verschiedenen Stilrichtungen geachtet, um einen möglichst ausgewogenen Blick auf die Entwicklung zu ermöglichen. Von jedem Künstler, den wir berücksichtigt haben, wurde jenes Werk ausgewählt, welches unserer Einschätzung nach zu einem Meilenstein geworden ist. Eines wird bei diesem knapp zwanzig Jahre währenden Streifzug durch die Geschichte deutlich: Rap in Deutschland hat eine lehrreiche, kontroverse und sehr spannende Vergangenheit.




    Advanced Chemistry – Advanced Chemistry (1995)



    01. Chemical Intro
    02. Fremd im eigenen Land
    03. Ich zerstöre meinen Feind
    04. Ich zerstöre meinen...
    (Reprise)
    05. Welcher Pfad führt zur Geschichte!
    06. An das Publikum
    07. Stilkontrabluff
    08. Alte Schule
    09. Gladiator auf Ewigkeit
    10. Kapitel 1
    11. Operation Art. 3 (Remix)

    12. Chemischer Niederschlag
    13. Toni der Koch (Remix)

    14. Heidelberg
    15. Polyglott Poets
    16. 193 DM (Ragga-Remix)

    17. Dir fehlt der Funk
    18. Drei Namen, ein Titel
    19. Bad Boy Talk


    Der Name Advanced Chemistry ist auf ewig mit der Geschichte des deutschen HipHop verbunden. Als sich die Gruppe 1987 formierte, war noch nicht einmal sicher, dass es jemals deutsche Rapmusik geben würde. Die amerikanische HipHop-Kultur war durch Filme wie "Style Wars" (1983), "Wild Style" (1983) und "Beat Street" (1984) auch nach Deutschland übergeschwappt und es entwickelte sich schnell eine Community, welche diese Kultur im Rahmen von Jam-Sessions auch in Deutschland lebte und praktizierte. Die Sprache der Rapmusik blieb aber vorerst Englisch. Der erste Freestyler, der auf Deutsch rappte, war Frederik Hahn aka Torch. Zu Beginn bestehen Advanced Chemistry neben Torch aus Toni L, Linguist, Gee-One und DJ Mike MD. Die beiden letztgenannten Mitglieder verlassen die Gruppe jedoch bereits Anfang der '90er Jahre wieder. Advanced Chemistry machen als Trio weiter und treten 1992 deutschlandweit erstmals in Erscheinung. "Fremd im eigenen Land" heißt der Song, welcher die Gruppe schlagartig bekannt macht und eine Facette deutscher Rapmusik im starken Kontrast zu den Fantastischen Vier aufzeigt. Die Single erscheint nach den rassistisch motivierten Anschlägen auf eine Aufnahmestelle für Asylbewerber in Rostock-Lichtenhagen im August 1992. Getrieben von Nationalismus und der abstrakten Angst vor einer "Asylflut" hatten hunderte Neonazis das Gebäude der Aufnahmestelle angezündet, in dem vor allem Vietnamesen einquartiert waren. Torch erinnert sich später an die Entstehung des Songs zurück: "Noch während wir im Studio waren, gab es die rassistisch motivierten Anschläge in Rostock. Daraufhin haben wir im Studio den Nachrichtensprecher live aufgenommen und als Intro eingebaut." Das Ergebnis ist fester Bestandteil der deutschsprachigen Rap-Erinnerungskultur und neben den Fantastischen Vier eine erste mediale Anerkennung der Szene im breiteren Mainstream:


    "Ich bin erzogen worden, die Dinge anders zu seh'n/
    Hinter Fassaden blicken, Zusammenhänge versteh'n/
    Mit Respekt "en direct" zu jedem Menschen stehen/
    Ethische Werte, die über nationale Grenzen gehen/
    Ich hab' 'nen grünen Pass mit 'nem goldenen Adler drauf/
    Doch bin ich fremd hier/
    "
    (Torch & Linguist auf "Fremd im eigenen Land")


    Die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität zwischen kulturellen Wurzeln und der Identifikation mit dem neuen Heimatland war ein Konflikt, den Advanced Chemistry an vielen Stellen aufgriffen und kreativ in ihren Songs verarbeiteten. In den Vereinigten Staaten waren sozialkritische Themen im Sinne eines "Conscious Rap" seit Grandmaster Flashs "The message" (1982) Teil des Themenspektrums in der Rapmusik. Public Enemy hatten mit "It takes a nation of millions to hold us back" (1988) und "Fear of a black planet" (1990) einflussreiche Alben vorgelegt, die sich mit Themen wie "White Supremacy" und institutionalisiertem Rassismus auseinandersetzten. Überhaupt sind die Einflüsse von Advanced Chemistry vielfältig, sowohl vom Sound als auch von den Inhalten. Dazu gehört der Funk der '70er und '80er Jahre mit Künstlern wie Rick James oder Prince und frühe HipHop-Pioniere wie Kurtis Blow und Grandmaster Flash. Ebenso dürfte die von Afrika Bambaataa in den 1970ern gegründete Zulu Nation mit Mitgliedern wie A Tribe Called Quest, Jungle Brothers und der Rock Steady Crew die Gruppe nachhaltig beeinflusst haben. Torch selbst war damals Zulu King des German Chapters der Zulu Nation, was die enge Verbindung unterstrich. Das selbstbetitelte und bis heute einzige Album von Advanced Chemistry von 1995 ist eine Compilation von Songs der Gruppe, welche hauptsächlich in den Jahren 1992 bis 1994 entstanden sind. Der mehrsprachig gerappte Song "Polyglott Poets" entstand 1993 in Zusammenarbeit mit Exponential Enjoyment; Torchs Meisterwerk "Kapitel 1", das Original des Remixes "Gladiator auf Ewigkeit" sowie "Alte Schule" waren bereits auf dem MZEE-Sampler "Alte Schule" (1993) enthalten. Diese Songs thematisieren den kommerziellen Ausverkauf der HipHop-Kultur und sind ein Bekenntnis zur alten Schule mit ihren vier Elementen und dem Bekenntnis zum Underground. Die Thematik wurde auf der Single "Welcher Pfad führt zur Geschichte!" von 1993 erneut aufgregriffen:


    "Reimtechnik schlecht, steif auf die eins/
    So ist's recht, der Groove fehlt/
    Nur der Takt zählt, zählt, auf dem man sich abquält/
    Rap auf Deutsch, nich' genug, es muss auch klug gereimt/
    Erfinderisch, frisch auf den Tisch/
    Ist's mit den Reimen nicht weit her/
    Spielt man eben schnell den Kasper/
    Blödeleien, albern sein, Party feiern, so ist's fein/
    Und den echten HipHop kann man dann post mortem am Grab beweinen/
    "
    (Linguist auf "Welcher Pfad führt zur Geschichte!")


    Das Album als Ganzes folgt keinem Konzept und gleicht in seiner Herangehensweise einem chemischen Experimet: Viele Elemente wurden zusammengemischt, von afrikanischen Einflüssen über Jazzklänge bis hin zu Funk- und Oldschool-Beats, und das Ergebnis zu einem Album als chronologische Gesamtschau des bisherigen Werks verdichtet. Einen großen Einfluss auf den Sound von Advanced Chemistry besaß der Rapper, DJ und Produzent Boulevard Bou, der seit 1990 eng mit Advanced Chemistry verbunden war und als Produzent auch türkischstämmige Elemente in die Produktionen einfließen ließ, beispielsweise auf der Single "Operation Art. 3". Mit der letzten Single "Dir fehlt der Funk" (1994) und dem Album-Release endete schließlich die Schaffensphase von Advanced Chemistry. Dr. Kofi Yakpo aka Linguist arbeitet als Assistant Professor an der University of Hong Kong. Toni L, gelernter Koch, veröffentlichte die Soloalben "Der Pate" (1997) und "Der Funkjoker" (2002), sowie zuletzt die Zusammenstellung "Features" (2013). Torch moderierte nach Advanced Chemistry zuerst das HipHop-Magazin "Freestyle" bei VIVA und ist unter anderem unter dem Pseudonym DJ Haitian Star als Discjockey tätig. Mit "Blauer Samt" veröffentlichte er im Jahr 2000 ein vielbeachtetes Soloalbum. Die Vorreiterrolle von Advanced Chemistry und die herausragende Bedeutung der Gruppe für die Entwicklung der deutschen Rapszene sind bis heute unbestritten. Allerdings ist die musikalische Bedeutung in Deutschland in keiner Hinsicht vergleichbar mit Gruppen wie Public Enemy in den Vereinigten Staaten. Diese beeinflussten durch wegweisende Alben und ein musikalisches Konzept, das in den USA bis heute weiterwirkt. Advanced Chemistry brachten viele Einflüsse nach Deutschland, gaben der jungen deutschen HipHop-Community ein Gesicht und beschworen die alte Schule deutscher HipHop-Kultur. Musikalisch wegweisende Akzente oder eine zentrales Album mit vergleichendem Einfluss kann man Advanced Chemistry nicht zurechnen. Dafür nahm die Gruppe eine Vorreiterrolle ein und beeinflusste direkt oder indirekt viele nachwirkende Künstler. Dies bleibt der große Verdienst von Advanced Chemistry und macht "Advanced Chemistry" stellvertretend für das gesamte Schaffen der Gruppe zu einem Meilenstein der deutschen Rapgeschichte.



    (Philipp_)



    Meilensteine-Kolumne Teil 1: Die Fantastischen Vier – 4 gewinnt (1992)


    Meilensteine-Kolumne Teil 2: Various Artists – Alte Schule (1993)


    Meilensteine-Kolumne Teil 3: Rödelheim Hartreim Projekt – Direkt aus Rödelheim (1994)


    Meilensteine-Kolumne: Kommentare/Diskussionen/Ideen zur Kolumne



    01. Gutmensch Intro
    02. Engelsstaub
    feat. Peet
    03. Zuhause
    04. Dafür
    feat. Shizoe
    05. Der goldene Käfig feat. Wanja & Shizoe
    06. Carlotta
    07. Abgrund
    feat. Marteria & Peet


    Es gibt Musik, für deren Visualisierung es keine Farbvideos braucht. Nicht, weil es dem Inhalt an Facetten und Abwechslung fehlt, sondern weil es einfach Musik ist, deren Stimmung, Inhalt und künstlerische Substanz keine bunten Kolorierungen mehr benötigt. Die EP "Der goldene Käfig" von Mortis gehört in jene seltene Kategorie und passenderweise wurden auch die beiden Auskopplungen "Zuhause" und "Engelsstaub" mit gleichermaßen poetischen wie tristen Schwarz-weiß-Videos umgesetzt. Die EP ist ein kompletter Film Noir, erzählt in sieben Kapiteln und durchzogen von jenen Themen, die ein solches Genre braucht: Urbanität, Kriminalität, menschliche Abgründe, zwischenmenschliche Beziehungen, melancholische Versunkenheit und die immer wiederkehrende Frage, was echt ist – und was lediglich Fassade. Da ist beispielsweise das kleine Dorf aus der Kindheit ("Zuhause"), in welchem provinzielle Beschränktheit, latenter Nationalismus und Zukunftslosigkeit Hand in Hand gehen. Da ist aber genauso die große Metropole Berlin ("Engelsstaub") mit ihrer Anonymität und der ständigen Suche nach sich selbst und den vielen Widersprüchen. "Zu viele Bekannte, keine Freunde" heißt es da beispielsweise. Noch bezeichnender: "Mein Bezirk ist so schön, aber hässlich". Ein Song, der ebenso viel Hommage wie Abscheu beinhaltet.


    "Für manchen Zeitzeugen gibt es kein Morgen/
    Das hier ist ein Ort zwischen weißen Beuteln und keinen Sorgen/
    Und nur Talent holt die Menschen aus der Not/
    Tu es oder stirb, unabhängig bis zum Tod/
    "
    (Mortis auf "Engelsstaub")


    Das Leben in der Stadt ist etwas, das den Wahl-Berliner Mortis auf seinem Debüt beschäftigt, aber primär geht es nicht lediglich um "billiges Parfüm und Berliner Luft" ("Carlotta"), sondern um die Beschäftigung mit sich selbst und der Welt um sich herum. "Der goldene Käfig" ist eine Art musikalisches Tagebuch, in dem jeder Song spezielle Erfahrungen und Erkenntnisse verarbeitet. Dieser Hang zum persönlichen Statement und zur detaillierten Beobachtung birgt das große Risiko, die Realität in besonderem Maße subjektiv zu überzeichnen. Aber bei Mortis wurde das sehr konsequent und unterhaltsam gelöst, sodass dies nicht negativ auffällt. Die Welt ist jedenfalls alles andere als ein Paradies. Der Großstadt-Moloch ist allgegenwärtig, gescheiterte Menschen aus allen Bereichen des Lebens omnipräsent ("Dafür") und auch Frauengeschichten bringen weder Erfüllung noch Kontinuität. Beinahe resigniert wird in "Carlotta" die Vergangenheit rezitiert: "Ich war verliebt, verlobt, verletzt, vereinsamt und träum' seit sechseinhalb Jahren von der Selben, wenn ich einschlaf'" ("Carlotta"). Mortis selbst sieht sich gefangen im "goldenen Käfig", der Künstlerexistenz als Musiker, in der andere die vollständige Freiheit sehen und aus der er selbst nicht ausbrechen kann. Ein Leben im Rausch der Möglichkeiten, aber ohne festen Boden unter den Füßen. Die Welt ändern, ohne es wirklich zu können:


    "Ungerechtigkeit wird von Menschen akzeptiert/
    Also nehm' ich mir das Recht zum Ignorier'n/
    Also nehm' ich mir das Recht, meine Meinung zu ändern/
    Änder' andere Ansichten, es wird kein Stückchen besser/
    "
    (Mortis auf "Der goldene Käfig")


    Produziert wurde die EP von Mortis selbst und Nobodys Face (Green Berlin), Live-DJ von Marteria und Mitglied der "Band of Robots". Die Produktionen bewegen sich zwischen Jazz ("Gutmensch Intro"), Rockeinschlag ("Zuhause"), Synthieklängen ("Engelsstaub") und leichtem Ambient-Einfluss ("Abgrund"). Musikalisch stimmig und atmosphärisch sowie gleichzeitig bis ins Detail ausproduziert. Überhaupt ist eine der zentralen Stärken der EP die erstklassige Produktion, während inhaltlich zwar ein überzeugendes Konzept, aber noch zu wenig Abwechslung bezüglich der Themen geboten wird. Auch die Features stärken das Konzept wenig. Der sonst stimmlich starke Shizoe bleibt überraschend blass, Peet liefert soliden Gesang und Marteria bringt immerhin kurze Abwechslung auf das sonst textlich monotone "Abgrund". Die Stärke von Mortis sind neben dem ausgereiften Soundbild seine Lyrics, die gleichermaßen persönlich, aggressiv und poetisch sind, mit einem interessanten Hang zur Überzeichnung und Stilisierung.


    Für ein Album empfiehlt er sich nach dieser EP definitiv, insbesondere durch die ausgereifte Produktion. Was aber noch dazu kommen muss, ist mehr inhaltliche Vielfalt und idealerweise zusätzlich Featuregäste, die noch besser in das künstlerische Konzept passen und diese Art von Thematik perfekt beherrschen. Das würde gut in das inhaltliche Konzept passen. Außerdem wäre dann mehr Abwechslung möglich, ohne den inhaltlichen Faden und atmosphärischen Stil zu beeinträchtigen. Auch ein Marteria-Feature darf dann gern wieder dabei sein. Wahrscheinlich bliebe immer noch alles schwarz-weiß, aber mit deutlich mehr Grautönen. Vielfalt muss nicht immer bunt sein.



    (Philipp_)




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    Rap ist seit über 40 Jahren Teil der Musikgeschichte. Und obgleich diese Zahl im Vergleich zu anderen Musikstilen gering scheint, war die Entwicklung in hohem Maße dynamisch und einflussreich. Wie kaum eine andere Musikrichtung hat das Rap-Genre politische, kulturelle und gesellschaftliche Veränderungen reflektiert und künstlerisch verarbeitet. Ein Verständnis der Vergangenheit ermöglicht daher in besonderem Maße eine differenzierte und facettenreiche Wahrnehmung der heutigen Szene. Im Rahmen dieser Kolumne versuchen wir eine kritische Würdigung herausragender Alben der Rap-Geschichte. Basierend auf einer subjektiven Auswahl, unter Berücksichtigung der Fachliteratur, präsentieren wir euch die unserer Meinung nach prägenden Alben deutschsprachiger Rapmusik. Die Auswahl umfasst Werke, deren Relevanz auf künstlerischer Qualität und/oder Innovation beruht, welche aber auch kommerziell wahrgenommen wurden. Gleichzeitig wurde auf eine Balance der verschiedenen Stilrichtungen geachtet, um einen möglichst ausgewogenen Blick auf die Entwicklung zu ermöglichen. Von jedem Künstler, den wir berücksichtigt haben, wurde jenes Werk ausgewählt, welches unserer Einschätzung nach zu einem Meilenstein geworden ist. Eines wird bei diesem knapp zwanzigjährigen Streifzug durch die Geschichte deutlich: Rap in Deutschland hat eine lehrreiche, kontroverse und sehr spannende Vergangenheit.




    Rödelheim Hartreim Projekt – Direkt aus Rödelheim (1994)



    01. In wenigen Sekunden
    02. Reime
    03. Keine ist
    04. Wenn es nicht hart ist
    feat. Schwester S. & Timo S.
    05. Wahnsinn
    06. Vision
    07. Guter Tag
    08. Mamaplazda
    09. Zeit zum Besinnen
    10. Krieg
    11. Papa


    Die deutsche Rapszene befand sich 1994 immer noch in einem Selbstfindungsprozess. In den Vereinigten Staaten hatte sich Rapmusik längst als ausdifferenzierte und ambitionierte Kunstform etabliert. Zu Beginn der 90er Jahre erschienen zeitlose Meisterwerke wie "The low end theory" von A Tribe Called Quest (1991), das selbstbetitelte Debüt von Cypress Hill (1991), die G-Funk-Meilensteine "The chronic" von Dr. Dre (1992) und Snoop Doggs "Doggystyle" (1993) sowie der East-Coast-Klassiker "Enter the Wu-Tang (36 Chambers)" (1993) des Wu-Tang Clans. Verglichen damit erschienen viele deutsche Beiträge mit ihrem naiven Popcharakter oder festgefahrenen Szenedenken bestenfalls harmlos. Spätestens 1994 änderte sich das nachhaltig: Konkret Finn veröffentlichten die Single "Ich diss dich" und das Rödelheim Hartreim Projekt (RHP) im gleichen Jahr sein Debüt "Direkt aus Rödelheim". Die Anspielung war unmissverständlich: Hier war eine Crew mit dem Anspruch, das deutsche "Straight outta compton" geschaffen zu haben. Harter Rap von der Straße ohne kommerzielle Attitüde. Zwar war der Frankfurter Stadtteil Rödelheim auch in den 90ern weit harmloser als sein Pendant in Los Angeles mit den Bandenkriegen der Bloods und Crips – aber für harten Rap war es ein deutlich glaubwürdigerer Background als Stuttgart oder Heidelberg.


    Das Rödelheim Hartreim Projekt war dabei keinesfalls eine Newcomer-Gruppe. Moses Pelham war seit den 80er Jahren als Rapper aktiv und hatte bereits 1989 mit dem englischsprachigen Solodebüt "Raining Rhymes" seinen Einstand als Musiker gegeben. Zusammen mit Jugendfreund Thomas Hofmann gründete er 1993 das RHP und machte Rap auf Deutsch. Bereits mit der ersten Single "Reime" gab es die erste handfeste Kontroverse. Moses P. und Thomas H., wie sie sich als Künstler nennen, machen darin unmissverständlich klar, dass ihrer Ansicht nach die Fantastischen Vier dafür standen, wie deutscher Rap nicht sein sollte. Mit einem Video in urban-trister Schwarz-weiß-Optik und auf einem düsteren Synthiebeat setzte sich das RHP deutlich vom Feindbild Fanta 4 ab. Es ging darum, Rapmusik härter und ehrlicher zu machen. Klassischer Gangsta-Rap war das keineswegs, sondern schlichtweg provokanter Battlerap mit Straßenattitüde. Es ging nicht um Kriminalität, sondern um eine Identität, eine musikalische und inhaltliche Standortbestimmung und Abgrenzung zum als verlogen und seicht empfundenen Mainstream. Der Beef war unvermeidlich:


    "Sie nennen sich fantastisch, ich wundere mich, was sich/
    Die Jungs dabei denken, sie sind spastisch (Hör mal auf!)/
    Lass mich – drastisch sagen wir, wie's ist, mit List/
    Werdet ihr abgedisst, angepisst, bis ihr wisst:/
    'Wer, wie, was?' Der, die, das/
    Projekt aus Rödelheim kommt krass!/
    "
    (Martin H. auf "Reime")


    Die Fantastischen Vier dissten später auf dem Track "Was geht" des 1995er-Albums "Lauschgift" zurück. Unabhängig von diesem Konflikt: Was Thomas Hofmann und Moses Pelham in Zusammenarbeit mit den Produzenten Martin Haas und Robert Sattler mit diesem Debüt veröffentlichten, setzte sich deutlich von vergleichbaren Releases dieser Tage ab. Die Produktionen waren düsterer, nachdenklicher und melancholischer. Man setzte auf Synthesizer-Sounds, samplete die Böhsen Onkelz ("Guter Tag") und nahm auch orchestrale Streicher zur Hilfe, wenn es effektvoll klang ("Krieg"). Bei letzterem Titel ernsthaft Goebbels Ausspruch "Wollt ihr den totalen Krieg?" aus der Ansprache im Berliner Sportpalast vom 18. Februar 1943 als Refrain zu samplen, zeigt deutlich die Konsequenz und gleichzeitig auch begrenzte Selbstreflexion dieses Debüts. Provokation war Programm, Selbstinszenierung ("Papa") diente als Selbstzweck und Stilmittel zugleich. Eingängige Melodien, Refrains zum Mitsingen, deutliche Aussprache: unnötig. Die Programmatik: "Wenn es nicht hart ist, ist es nicht das Projekt" ("Wenn es nicht hart ist"). Trotzdem hatte "Direkt aus Rödelheim" seine ruhigen Momente und war beileibe kein eindimensionales Battle-Album. Die Reduktion auf öffentliche Kontroversen und die Fehde mit den Fantastischen Vier würde "Direkt aus Rödelheim" keineswegs gerecht. "Zeit zum Besinnen" und vor allem die starke Single "Keine ist" zeigten Ansätze zu einer inhaltlich stärkeren Bandbreite und einer zwar nicht ausgereiften, aber sehr poetischen Sprachform:


    "Es tut weh, ja doch, ich denke, ich seh' klar/
    Sie steht da und nur ich kann sie seh'n/
    Ich möchte bei ihr steh'n, ich werde zu ihr geh'n/
    Wehender Wind, sehendes Kind/
    Eilt nun geschwind dorthin, wo es beginnt/
    Nimmt wie gegeben, das Ende vom Streben/
    So ist es eben/
    "
    (Moses P. & Martin H. auf "Keine ist")


    Natürlich ist auch "Direkt aus Rödelheim" als Kunstwerk Teil seiner eigenen Zeitgeschichte. Technisch ist deutsche Rapmusik wesentlich ausgereifter geworden, musikalisch vielfältiger und spätestens seit Kool Savas und der Ära von Aggro Berlin sind deutsche Hörer wesentlich härtere Lyrics gewohnt. Seinen Rang als Meilenstein verdient "Direkt aus Rödelheim" aber nach wie vor. Moses P. und Martin H. erweiterten deutschen Rap um eine wesentliche, neue Stilrichtung und öffneten die Tür für eine Reihe weiterer Künstler. Das Album verkaufte sich 1994 insgesamt über 160.000 Mal. RHP setzten Frankfurt in puncto Rapmusik stilistisch und kommerziell endgültig auf die deutsche Karte. Das Album ermöglichte zwei Künstlern erstmals eine Plattform, die in Zukunft noch für Furore sorgen sollten: Xavier Naidoo (auf "Reime") und Schwester S. aka Sabrina Setlur (auf "Wenn es nicht hart ist"). Ein Jahr später folgte das Live-Album "Live aus Rödelheim" und 1996 das kommerziell noch erfolgreichere "Zurück nach Rödelheim". Damit war das Projekt beendet. Ein für 2001 angekündigter Nachfolger namens "Odyssee in Rödelheim" fand nie den Weg ins Presswerk. Moses Pelham veröffentlichte solo die "Geteiltes Leid"-Trilogie (1998 – 2012) und feierte mit der Gruppe Glashaus weitere Charterfolge. Selbst der Beef mit den Fantastischen Vier wurde irgendwann beigelegt. Inwiefern "Direkt aus Rödelheim" das deutsche Pendant zu NWAs "Straight outta compton" war, muss jeder für sich selbst beurteilen. Ein Meilenstein der deutschen Rapmusik, wenn auch ein sehr eigenwilliger, war es zweifellos.



    (Philipp)



    Meilensteine-Kolumne Teil 1: Die Fantastischen Vier – 4 gewinnt (1992)


    Meilensteine-Kolumne Teil 2: Various Artists – Alte Schule (1993)


    Meilensteine-Kolumne: Kommentare/Diskussionen/Ideen zur Kolumne

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    Mey ist wie ein guter Rotwein, muss man in Ruhe und mit viel Zeit genießen. Sind halt doch sehr private Themen dabei. Hat aber auf jeden Fall einige wirklich großartige Alben (bestes meiner Meinung nach "Farben") und Songs.