Frauenarzt – Mutterficker


  • 01. KKF
    02. Zieh dein Shirt aus
    03. Nachbarviertelterrorist
    04. Blaulicht
    05. Alles Gute
    06. Fickfinger
    07. Eine Kugel
    08. Buuuh
    feat. Taktlo$$
    09. Westberlin
    10. Ketten raus, Kragen hoch
    11. 666
    12. Mein BAE
    13. Wir geben keinen Fick
    feat. MC Bomber
    14. KKF (Kool Savas & Smoove Remix)
    15. Zieh dein Shirt aus (Remix) feat. SXTN
    16. Nachbarviertelterrorist (Remix) feat. Karate Andi
    17. Blaulicht (Remix) feat. Audio 88 & Yassin
    18. Alles Gute (DJ Desue Remix)
    19. Fickfinger (Remix)
    feat. Corus 86
    20. Eine Kugel (Remix) feat. King Orgasmus One
    21. Buuuh (DJ Reckless Remix) feat. Taktlo$$
    22. Westberlin (Remix) feat. Prinz Porno
    23. Ketten raus, Kragen hoch (Remix) feat. Haiyti
    24. 666 (Remix) feat. Basstard
    25. Mein BAE (Remix) feat. MC Bogy
    26. Wir geben keinen Fick (Remix) feat. K.I.Z., MC Bomber & Shacke One


    Mutterficker ist ein interessanter Albumtitel: Schließlich konnte sich die deutsche Variante von "motherfucker" im deutschen Sprachraum, sei es auf Pausenhöfen, Uni-Mensas oder im HipHop nie durchsetzen und insbesondere nicht die rebellisch und letztlich positiv konnotierte Bedeutung wie das englische Äquivalent erlangen. Ein aus der Zeit gefallener Titel für einen altersmüden Veteranen des Deutschrap? Frauenarzt war lange Zeit am Puls des Untergrund-Raps, bevor er und Manny Marc zusammen als Die Atzen die Meuten in mallorquinischen Sauftempeln mit anzüglichen Schlagern beglückten. Die Atzen verloren jedoch ihre Anziehungskraft auf Sauftouristen und nach ihrem letzten, weitgehend erfolglosen Party-Rap-Album "Atzen Musik Vol. 3" brachte Frauenarzt nichts Vernünftiges mehr zustande. Das vermeintliche Lebenszeichen "Tanga Tanga 3" aus dem Jahr 2013 zeigte einen gealterten Rapper, der zusammen mit seinen technisch limitierten Kumpels (Basstard, MC Bogy, King Orgasmus One) zu zaghaft versuchte, seine Erfolge als Die-Atzen-Mitglied mit seinen Rap-Credentials zu verbinden und irgendwo im Niemandsland dazwischen landete.
    Dass Frauenarzt für "Mutterficker" ein anderes Konzept verfolgt, war durch die Promo, in der das neue Album mit relativ großem Aufwand als Comeback-Album inszeniert wurde und die dezidiert Frauenarzts frühere Gang-Mitgliedschaft sowie seine Untergrunderfolge thematisierte, deutlich. So ist die spannendste Frage zum Album wahrscheinlich: Folgen den Worten Taten, schafft es Frauenarzt, den von ihm geschaffenen Charakter des El-Arenal-Prolls abzulegen?
    "Mutterficker" muss die Antwort liefern und gliedert sich in zwei Teile: Die Tracks der ersten Hälfte spiegeln sich in Remix-Versionen im zweiten Teil wider. Alle Features außer denen von Taktlo$$ und MC Bomber finden sich in der zweiten Hälfte, die Remixes sind mit drei Ausnahmen instrumental identisch mit den Originalen. Also alles ein bisschen kompliziert, hier wird die Gesamtheit des Albums bewertet, der Fokus soll nicht auf einem Vergleich der Versionen liegen. Das Album startet mit der ersten Single "KKF", was für King Kool Frauenarzt steht (übrigens ist eine musikhistorisch nette Fußnote, dass (King) Kool Savas am instrumentalen Remix von "KKF" mitgewirkt hat). "KKF" ist eine gelungene Ansage, eine völlig übertriebene und rein aggressive Selbstbehauptung:

    Es gibt kein Battle/
    Du kannst nicht gewinnen/
    Ich sage dir zum Teufel/
    Wer verdammt nochmal ich bin/

    (Frauenarzt auf "KKF")

    Der Track zeigt gleich zu Beginn des Albums zwei Dinge: Frauenarzt ist hungrig und Hell Yes als Produzententeam hat eine neu entdeckte Vorliebe für harte Beats, die nahe am Rave sind. Widmen wir uns zunächst den Texten: Auch wenn der zweite Song "Zieh dein T-Shirt aus" heißt, handelt es sich nicht um einen Rückfall in alte Atzen-Zeiten, sondern bis zum Schluss ist textlich Battlerap pur geboten, inhaltlich ist das einzige Thema: Frauenarzt ist Gott, alle anderen Mutterficker, insbesondere deine Mutter, deine Freundin, deine Frau und deine Tochter. Und das auf fast durchgehend hohem Niveau, Frauenarzt findet immer wieder gute Sprachbilder, ohne gezwungen zu wirken:

    Das ist Hardcore-Rap, Fotzenvibration/
    Ich rotze meine Texte in das Mikrofon/
    Deine Ex ist mein Sexspielzeug heute Nacht/
    Ich bums' sie eine Runde für dich mit, du verkackst/
    Jeden Part den du machst, ich prolle wie Bolle/
    Ficken heißt bei mir: ich roll' über die Olle/
    Ich prahle gekonnt und zahle in bar/
    Ich zeige meinen Schwanz jeder Frau in der Bar

    (Frauenarzt auf "KKF")


    Den Bruch mit gesellschaftlichen Konventionen, wie der oben genannten Schwanz-Präsentation in der Bar, den Frauenarzt mit einer Mischung aus Stärke gegenüber Schwächeren (vulgo: Frauen) und Schlitzohrigkeit gegenüber Stärkeren (zumeist der Staatsgewalt) in diesem Abschnitt


    Frauenarzt der Underboss, Underdog aus Tempelhof/
    Penis in der Faust und die Bitches geh'n die Wände hoch/
    Die Bullen rufen Hände hoch/
    Ich konzentrier mich auf die Beine/
    Laufe wie beim Marathon/
    Über Schienen, über Steine

    (Frauenarzt auf "Fickfinger")


    sehr anschaulich inszeniert, nutzt er konsequent, um sich von der Atzenrolle weg zu entwickeln. Frauenarzt kann nicht aus einer paternalen Rolle heraus agieren, wie es beispielsweise Ice Cube in "Laugh Now, Cry Later" tat, das hat er sich durch "Die Atzen" ein Stück weit verbaut. Stattdessen gelingt es ihm, als "underboss" und "underdog" in ein und derselben Person allerdings, authentisch eine Rolle als Berlusconi unter den elder statemen des deutschen HipHop einzunehmen: Ein bisschen irre, ein bisschen schmierig, aber dabei charmant und erfolgreich. Diese Thematik zieht sich konsequent durch das ganze Album, verkrampft dabei aber nicht, sondern wirkt stellenweise überraschend reflektiert oder zumindest nicht bierernst. Dies zeigt Frauenarzt textlich insbesondere in seinem ständigen Nihilismus, der aufgrund der Features umso deutlicher wird: Taktlo$$ sagt irgendwas Politisches, MC Bomber geht’s um Cyphers, bei Karate Andi geht’s um Billigplörre am Kotti, aber Frauenarzt, der hat gar kein Thema außer dem Diss als solchem. Selbst Action-Bronson-Hörer müssen wohl kurz schlucken, wenn die letztlich völlig unnötige Aufklärung im "Liebeslied" "Mein Bae" zeigt, dass das "Bae" einfach nur Frauenarzts bottom bitch ist, die er anschaffen schickt; dabei geht es aber gar nicht in dem Track, dieser Fakt fällt einfach nebenbei. Letztlich schafft Frauenarzt also den schwierigen Spagat zwischen dem Hanswurst, dem Tempelhofer Berlin-Crime-Gangster und dem Rap-Veteran.
    Das Konzept kommt Frauenarzts leicht schwerfälligem aber pointiertem Rap-Stil zu Gute, da der Kontrast zwischen der linkisch wirkenden Delivery von Frauenarzt und der treibenden, scharfen Instrumentalisierung nicht fehl am Platz, sondern gewollt wirkt. Ein gutes Beispiel hierfür ist "Ketten raus Kragen hoch", dessen flirrender Beat eine echte Dynamik erzeugt, man kann sich förmlich vorstellen, wie Frauenarzt zu diesem Song im trostlosen Tempelhof stolziert und sich trotz seines Alters reckt wie ein Gockel bei Sonnenaufgang. Obwohl Haiyti mit der ihr eigenen Aggression für diesen Song geboren scheint und der auch sehr gut auf ihr "City Tarif"-Mixtape gepasst hätte, ist Frauenarzts Part im Remix dieses Songs der stärkere, einfach weil er deutlich souveräner wirkt. Diese Stärke zieht sich durch das Album: Prinz Porno liefert zwar seinen besten Part seit langer Zeit und die hervorragenden SXTN wurden, wie schon Haiyti, für genau den Song ausgesucht, der am besten zu ihnen passt, aber Frauenarzts Lines sind die prägnantesten und seine Parts die, zu denen der Kopf am heftigsten nickt. Es bleibt der Eindruck, dass er sich einfach mehr Zeit nimmt für die Feinabstimmung, mehr Pausen setzt und nie versucht, gegen den Beat anzurappen, sondern wortwörtlich "flowt". So hört sich kein Rapper an, der mit dem Rücken zur Wand sein Lebenswerk verteidigen muss. Umso beachtlicher, dass Frauenarzt für sein Comeback nicht der Versuchung erlag, seine offensichtlich nach wie vor vorhandenen Skills vor einer zurückhaltenden Instrumentierung zu präsentieren, um darauf aufbauend dann erst im nächsten Album richtig anzugreifen. Die Beats sind in der Abmischung immer vorne, diese Tracks sind durchaus clubtauglich. Der Charakter der Platte ist stark basslastig und verzerrt, die Melodien sind von schneidenden Synths dominiert, die stellenweise Richtung Acid Techno gehen; wie oben bereits erwähnt, sind die Melodien meist aufgekratzt, dabei aber eher simpel und eingängig und konterkarieren die Bässe insoweit. Diese Mischung aus dominantem, verzerrten Bass, eingängigen aber schrillen Melodiebögen und schnellen Hi-Hats, ein Kollege einer anderen Website nannte es "Rave-Trap", erinnert teilweise, so wie bei "Zieh dein Shirt aus" und "Eine Kugel", an EDM angehauchten Trap Marke "Oh my darling (don't cry)" von Run the Jewels, nur deutlich simpler gestrickt. Allerdings ist in der Instrumentierung durchaus noch ein guter Schuss von "Die Atzen", denn die Tracks "Blaulicht" und "666" funktionieren wie Ballermann-Hits und sind letztlich aufgemotzter Dance, der in seiner etwas cheesigen Konsequenz an den Bubblegum-Dance von Sophie erinnert. Dumme Jungs und Spectre haben hier ihre beste Arbeit abgeliefert; dieses Album ist wesentlich auch ihr Erfolg.


    Fazit:
    Es lohnt sich zunächst, festzuhalten, dass Frauenarzt aus musikalischer Sicht wieder ein Name auf dem iPod ist, für den man sich nicht schämen muss. Was gibt es Schöneres als ein gelungenes Comeback? Als Comeback-Statement ist "Mutterficker" hochgelungen und es würde schon sehr verwundern, wenn diese Tracks live nicht mindestens genauso zünden. Die Kombination aus der kohärenten Instrumentierung und den aggressiven Lyrics gibt eine richtig gute Platte ab, die mit Ausnahme von "Buuuh" (in dem Taktlo$$ ein regelrecht gruselig schlechtes und wirres Feature liefert) ohne echten Aussetzer auskommt. Frauenarzt gelingt es mit einem harten Sound, sich seinen Jugendruf zurückzuerobern und gleichzeitig neues Territorium zu erschließen. In dieser Form ist er ein würdiger Labelchef mit Strahlkraft, dessen erstes Signing mit MC Bomber ebenso wie "Mutterficker" zeigt, dass mit Frauenarzt und Proletik im Deutschrap auf längere Sicht gerechnet werden muss. Über die fehlende inhaltliche Message und den manchmal nach wie vor monotonen Flow von Frauenarzt kann man so getrost hinwegsehen. Trotz seiner dichten Homogenität vermeidet es das Album, repetitiv zu wirken und stellt seine Stärken geschickt heraus. Frauenarzt schafft sich mit dieser Platte sogar eine Art Alleinstellungsmerkmal, denn zumindest aktuell klingt kein anderer deutscher Rapper so – und wer kann das schon von sich behaupten?



    (Franz Xaver Mauerer)


    [redbew]2073[/redbew]


    Bewerte diese CD:
    [reframe]reviewthread.php?reviewid=2073[/reframe]

  • Furchtbares Album. Dumme Lyrics auf grottigen Beats schlecht eingerappt. Frauenarzt macht mich in seiner derben Belanglosigkeit regelrecht aggressiv. Der soll einfach aufhören zu atmen.


    ist ja alles gut Dicker. Wird schon wieder. Hör bisschen Anton K und Digital F das anderst.


    [MENTION=1024497]Dialekktik[/MENTION] du hast mich grad voll geschockt Meister^^
    :thumbup:

  • wer denn noch? also ehrlich, nicht kritisch gemeint.


    Ist halt Taktloss, was hast du denn erwartet? Kann man glaub ich nur hassen oder feiern. Ich finde, er hat auch schon besseres abgeliefert (er kommt leider was dünn auf den Beat), aber geht trotzdem absolut klar sein Part.

  • Es gibt keinen. Das Taktloss-Feature ist fantastisch und einer der besten Tracks des Albums.


    Ich finde, dass das schwierige Tempo Frauenarzt als Rapper etwas überfordert. Die pfeifenden und recht statischen Synths mit diesen schweren Bässen geben dem Song eine zähe Struktur. Frauenarzt ignoriert das nach meinem Eindruck einfach und rappt nur leicht langsamer als am Rest des Albums, während Taktloss, was ihn durchaus auszeichnet, versucht, voll drauf einzugehen, aber dem ganzen Sud nur noch mehr die Energie rausnimmt. Vielleicht hätte das sogar noch geklappt, wenn der Refrain eine echte Befreiung wäre, ein richtiger Punch. Ich finde aber, dass beim Refrain die Handbremse mindestens halb angezogen ist. Dazu kommt, dass ich Taktloss Lines "Ich tu so, als würd ich dich kennen/ und werde das Kind gleich beim Namen nennen/ Hurensohn" und "Wäre mein Name Buuh/ würde ich keinen Applaus kriegen" völlig unter seiner Würde finde, genau wie das Konzept des Songs überhaupt - "Wär dein Name Buuh"? Ja, sind wir denn hier bei Blumentopf, ist das hier Four Music?


    [MENTION=378248]lionxx[/MENTION]: Letztlich ist er die falsche Wahl für den Track gewesen, und er hat versucht, sich dem Track anzupassen und es hat halt nicht funktioniert. Im Endeffekt nicht seine Schuld (bis auf die Lyrics! Selbst diese Meute-Line ist doch schief...)

  • Gibt´s gar keinen Rap National Thread ? Heute Nacht mal wieder durch gehört und dann paar Ansagen, wäre dope würden langsam mal paar Tracks von dem von Tai Jason produzierten Album für Aggro released werden, Undissbar war ja schon eher nicht so der Typische Frauenarzt Track. Frag mich wie die klingen. . . Mutterficker und Gott aber schon saftiger Output gewesen dieses Jahr.

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