Review: Absztrakkt & Snowgoons – Bodhiguard



  • 01. Bodhiguard
    02. Gooddha
    03. Skit 1
    04. Silberummantelte Diamantgeschosse
    feat. Aslan Neter
    05. I shot the sheriff
    06. Präsenzkraft
    07. Skit 2
    08. Monica Bellalutschi
    09. Skit 3
    10. Bodhishinobi
    feat. Cr7z
    11. Tru masta kill feat. Questgott, R.U.F.F.K.I.D.D. & Defekt36
    12. Bad Karma feat. Jinx & Sirviva
    13. Bodhicore feat. Defekt36 & Sirviva
    14. Skit 4
    15. Deep lieb
    16. In allen Zeiten und Welten
    17. Stadt des Lichts
    18. Skit 5
    19. Peace 2 the guards


    Es gibt diese Rapper, die sich in ihrer Laufbahn einen so guten Status erarbeitet haben, dass sie sich in Rapdeutschland zu den Vorzeigefiguren des Untergrunds zählen dürfen. Auch, wenn diese Künstler gewissermaßen ein Nischendasein führen, und ihnen nur selten der große kommerzielle Erfolg vergönnt ist, gelten sie als Ausnahmetalente, und werden oftmals als Paradebeispiele für gute deutsche Rapmusik verwendet. Und selbst, wenn man sich mit dem MC selbst noch nicht auseinandergesetzt haben sollte, können Connections und Features dessen Stellenwert oft verraten. Sollte man den Lüdenscheider Rapper Absztrakkt also nicht sowieso schon zu ersterer Gruppierung zählen, erkennt man schnell, dass auch er sich zum exklusiven Club der deutschen Untergrundgrößen zählen darf, indem man nur einmal die Liste derer betrachtet, die ihm ein Shoutout haben zukommen lassen: Neben Prezident, Donato, Cr7z, Lakmann, Morlockk Dilemma und der Antilopen Gang bewerben sogar die englischsprachigen Acts Aslan Neter, Celph Titled und Apathy das Album. Folgerichtig gilt es nun also, herauszufinden, ob Absztrakkt an dieser Stelle nur sein Vitamin B ausgespielt hat, oder ob er diesen Erwartungen tatsächlich gerecht werden kann.


    "Wir gelten als rare Exemplare/
    X-Men, bei denen dein ätzend affiges Heldengehabe/
    Letztends zu einem Felsen erstarrte/
    Ich bin eine weiße Taube, doch ich fliege mit den Elstern und Raben/
    "
    (Absztrakkt auf "In alle Zeiten und Welten")


    Der erste Eindruck, der vermutlich jedem Hörer bei Absztrakkt in den Sinn kommt, ist die immense Andersartigkeit. Seien es die Textinhalte, deren Präsentation, die Wortwahl, der Rapstil oder die Instrumentals: Ob man es nun mag oder nicht, es gibt in Deutschland beinahe nichts Vergleichbares. Statt überheblicher Selbstbeweihräucherung predigt Claudio nämlich Bescheidenheit und Demut, statt materieller Dinge liegt der Fokus auf spiritueller und geistiger Reife, und statt stumpfen Battletracks werden besagte Weisheiten in verworrenen Storytellern mit buddhistischen Motiven verwoben. Dabei im Zentrum steht immerzu Absztrakkt als der "Bodhiguard" – wobei es sich um eine Wortneuschöpfung aus "Bodyguard" und dem Sanskrit-Wort "Bodhi" für "Erwachen" handelt – und seine vorrangig in den Skits transportierten Verhältnisse zu denjenigen, die er beschützen soll. Ob diese nun als Rapszene interpretiert werden oder eine ganz andere Funktion einnehmen, darüber lässt sich natürlich streiten, und es gibt einige Möglichkeiten, den inhaltlichen Zugang zu finden. So ergibt sich die Rolle als Wärter des Lern-Entwicklungsprozesses der musikalischen Szene, sollte man diese Interpretation weiterspinnen wollen. Insgesamt entsteht über die Laufzeit des Albums ein äußerst vielschichtiges Bild des Rappers, das sich nicht nur durch die spezielle Erzählweise aus der Masse abhebt. Absztrakkts komplette Selbstdarstellung bleibt vielfältig und äußerst interessant, ohne dabei auch nur im Geringsten an Authentizität einzubüßen. Lediglich stören nur einzelne Formulierungen, und der Track "Monica Bellalutschi", der in seiner stumpfen Thematik genau wie seinerzeit "Goldständer" auf "Diamantgeiszt" einfach nicht so recht ins Albumkonzept passen will und beim Durchhören immer wieder negativ aufstößt.


    "Ich trage im Herz diese Frau/
    Mit der ich sieben oder acht Jahre zusammen war, ich weiß es nicht mehr genau/
    Sie weiß das besser, vielleicht haben wir genau das gebraucht/
    Vielleicht haben wir's aber auch endgültig versaut, mal gucken/
    "
    (Absztrakkt auf "Monica Bellaltuschi")


    Auch musikalisch gilt, dass Absztrakkt ein absolutes Unikat der deutschen Szene darstellt. Seine raubeinige und markante Stimme kommt mit einem derartigen Druck daher, dass die nicht unbedingt intuitiv geführten Flowpattern durchaus dazu leiten können, dass man nicht auf Anhieb mit dem musikalischen Stil warm wird. Dennoch gilt für beinahe das komplette Album, dass die Tracks sich bei öfterem Hören von einem guten ersten Eindruck ins Großartige steigern, und die Art zu Rappen, die im ersten Moment sogar ein wenig offbeat erscheinen mag, mit jedem Hörgang mehr und mehr mit den Instrumentalen verschmilzt. Diese sind, wie man von der alteingesessenen Produktionscrew der Snowgoons erwarten dürfte, absolut hervorragend. Denn neben dem harten Sound zwischen Golden Era und asiatischen Klangeinflüssen findet sich auch hier immer wieder die positive und helle Note, die den Aussagen von Absztrakkt den letzten Nachdruck verleiht und das Gesamtprodukt abrundet. Dazu kommen eine kleine Palette an Featuregästen, die bis auf Aslan Nestler geschlossen aus dem 58Muzik-Camp stammen und eine ähnlich energetische Figur abgeben – und dabei weder hervorstechen, noch negativ herausfallen, sondern eher unauffällig am Hörer vorbeigehen. Natürlich hätte ich lieber einen Cr7z-Part mehr und dafür einen Defekt36 weniger gehört; aber man hat selbst während der Flut an Gastparts zu Beginn der zweiten Hälfte nie das Gefühl, dass das gerade wirklich stört.


    "Kleiner, du verstehst mich noch nicht, und du hörst nicht richtig hin/
    Aber hörst immer wieder, bis der Stern aus dir entspringt/
    Und falls es dir gelingt, dass du dich infrage stellst/
    Ist mein Rap eine Begegnung mit dir und deinem wahren Selbst/
    "
    (Absztrakkt auf "I shot the sheriff")


    Fazit:
    Sobald man den Zugang zur Musik von Absztrakkt einmal gefunden hat, entfaltet sich "Bodhiguard" als ein kleines Meisterwerk seiner Sparte. Findet man diesen nicht, wird man folgerichtig auch absolut keine Freude an der Platte haben, aber es zeugt von der Konsequenz des Musikers, dass gar nicht erst versucht wird, Hörer mitzunehmen, die sich der Thematik nicht öffnen können. Auf den musikalischen Hochkarätern der Snowgoons präsentiert sich der Lüdenscheider dabei facettenreich, ernst und absolut authentisch. Bis auf die wenigen kleinen Ausreißer sitzt jede Formulierung; jeder Track erfüllt seine Funktion. und auch die Featuregäste fügen sich perfekt zu einem Bild zusammen, das über 19 Anspielstationen inklusive fünf Skits zu einem intelligenten und avantgardistischen Gesamtprodukt verschmilzt. Sollte man also mit der Art und dem Stil auch nur ansatzweise etwas anfangen können, sollte man dem auf jeden Fall eine Chance geben – man wird es wohl kaum bereuen.



    (Yannik Gölz)



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  • Ich muss sagen, dass mir das Album überwiegend gut gefällt.
    Das Review spiegelt eigentlich alles soweit wider... Leider ist es sehr anstrengend zu lesen, da der Autor wohl sehr viel Wert auf verschachtelte Sätze legt^^

  • gute review, aaaaber


    so stark finde ich das album mittlerweile gar nicht mehr - und das sage ich als absztrakkt-fanboy. bis auf "silberummantelte diamantgeschosse", "bodhishinobi" und "in allen zeiten und welten" - die zugegebenermaßen richtig, richtig geile tracks sind - werde ich das album wohl nur noch selten hören. auch die featureparts von defekt, sirviva und jinx stören eher und hätten ruhig weggelassen werden können. das alles ändert natürlich nichts daran, dass das album gut ist, aber irgendwie überzeugen mich die meisten seiner vorherigen releases mehr.

  • bestes release dieses jahr!


    Soll ja noch Waage und Fische von Cr7z und Absz rauskommen und ein soloprojekt von Cr7z, ich glaube beides dieses jahr? Auch wenn mir das unrealistisch erscheint...


    Freue mich darauf.


    Hinter der meinenung von @julischwarz steh ich auch voll und ganz, starkes album, vorgänger, vorallem diamantgeiszt ging eher in die richtung, mit der ich etwas mehr anfangen kann.

  • Zitat

    Original von Ey7brudi
    präsenzkraft ist unglaublich krass




    Vino Meskalino wir machen die Weinprobe du darfst mit an meinem Tisch sitzen doch dir wird nur die fast fleischlose Rippe gerreicht bei meinem Dinner 4 Live


    Ich habe mir das Album tatsächlich gekauft und kann nur zustimmen dass es absolut dope ist. Passt perfekt zu dieser Jahreszeit.

  • Starkes Ablum. Der zweite Part von Ghodda ist beste:


    Reiss nich so die Fresse auf, dein Rap ist nur schlecht
    Deine Beats sind gut produziert, doch die sind nicht von dir
    Dein Logo ist geil, doch das hast du nicht designed
    Deine Homepage - Knaller! Aber die haben andere gemacht
    Deine Videos heftig, aber die haben andere gemacht
    Genau wie deine Bilder und Texte, die man ins Internet setzt
    verstehste? Dein Rap is' immer noch schlecht
    Und geschrieben hat das bestimmt jemand anderes
    also sieh zu, dass du Land gewinnst bevor du Gewinn landest



  • Wie er den Reim auf fleischlose macht.. Ich komm darauf einfach 0 klar. Zu heavy.

  • Absolut geniales Album, nicht ganz so absztrakkt wie die älteren Sachen, aber Abstakkt bleibt Absztrakkt.

    PEACE LOVE HAPPINESS
    - Der Seehund aus dem Internet


    +They always expect the Monster. And It's always just some bloke.
    There ain't no monsters. There's no great saving grace.
    No us and them. There's just us. - Hellblazer+

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