Interview: Eypro


  • Die Jungs von Eypro sind bereits wahre rappers.in-Urgesteine: Auf ihr Konto gehen nicht nur zahlreiche VBT-Teilnahmen, sondern auch drei Heimsiege. Auf der Tapefabrik in Wiesbaden trafen wir die Crew in ihrer vollen Konstellation und nutzten diese Gelegenheit natürlich auch direkt. Sowohl Djin und Sorgenkind als auch Clayne und SpliffTastiC sowie donetasy und Eypro-Kumpel Oby fanden die Zeit, um sich mit uns in einer gemütlichen Runde zusammenzusetzen und ein wenig über anstehende Projekte zu plaudern. Ans Tageslicht kamen dabei Schlagwörter wie "Eypro-Sampler", "Punkrockalbum" oder auch "Untergrund". Clayne konnten wir noch dazu ein kleines "Exclusive" entlocken ... nächster Halt: ganz bestimmt nicht mehr Lingen.


    lupa: Wir hatten vorher abgemacht, dass es zu Beginn des Interviews eine Zugansage von dir gibt, Clayne!


    Clayne: Wo soll der Zug denn hingehen?


    lupa: Nach Hause.


    Clayne:


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    rappers.in: Wir sind heute auf der vierten Tapefabrik in Wiesbaden. Aber soweit wir wissen, ist es nicht das erste Mal, dass Eypro hier auf der Bühne steht – was verbindet ihr mit dem Festival?


    Djin: Wunden! Und Denis, der im Wagen liegt. Auf der allerersten Tapefabrik!


    Sorgenkind: Ja! Denis war da rotzevoll und hing im Auto rum ... und fertig. Er trinkt halt nicht so oft viel. (lacht) Ich verbinde mit der Tapefabrik auch immer JAW, Morlockk Dilemma ... diese Untergrundleute und Realkeeper.


    rappers.in: Findet ihr, dass das, was hier passiert, "Untergrund" ist?


    Sorgenkind: Keine Ahnung ... Es kommen ja Tausende von Leuten hierher und bezahlen Geld dafür.


    Djin: (wirft ein) Da muss man halt erst mal den Untergrund definieren.


    rappers.in: Und was ist Untergrund?


    SpliffTastiC: Sobald was aufgeführt wird, ist es eigentlich kein Untergrund mehr. Weil Leute kommen und sich das anschauen.


    Clayne: Für mich ist die Frage immer: Untergrund oder Deal? Das ist dieses Ding, wenn du sagst: "Der war solange Untergrund und jetzt hat er einen Deal und sich durch das Geld verändert."


    Sorgenkind: Ich glaube, das hängt damit zusammen, wie sehr sich die Künstler dem Kapitalismus öffnen. Diese Untergrundrapper prangern an, was in der Industrie so passiert und wir sehen das vielleicht ein bisschen neutraler. Beziehungsweise: Wir lassen vielleicht etwas mehr mit uns machen. Ich finde diese antikapitalistische Sicht eigentlich sehr interessant und moralisch gesehen auch richtig. Das macht für mich aus, wenn ein Künstler Untergrund sein will.


    Clayne: Wer sagt denn auch: "Ich mach' Rap, um Geld zu verdienen."?


    Djin: (wirft ein) EstA.


    Alle: (stimmen ein) EstA!


    Clayne: Okay. Dann können wir im Prinzip sagen: Wenn Halunkenbande noch nicht angeklopft hat, ist man Untergrund.


    rappers.in: Wir haben das Gefühl, dass ihr euch als Solokünstler in den letzten Jahren von eurem eigenen Sound her immer mehr weiterentwickelt, aber auch voneinander abgegrenzt habt – vor allem, wenn man auf frühere gemeinsame Veröffentlichungen zurückblickt. Darum würden wir gerne wissen, was heutzutage als "typischer Eypro-Sound" anzusehen ist.


    Djin: Der Brei aus dem Ganzen.


    rappers.in: Spielt dann jeder von euch auf Konzerten einfach seine Tracks?


    Djin: Ja. Und es gibt auch Tracks, die wir zusammen gemacht haben. Daraus entsteht dann Eypro.


    rappers.in: Besteht die Crew also mehr "aus Spaß", während das Musikmachen für euch beide allein, Djin und Sorgenkind, eher in eine ernstere Richtung geht?


    Sorgenkind: Das ist halt so ein Mischmasch. Bei Eypro ist das Coole, dass man zusammen auf der Bühne steht, jeder seinen Spaß hat und mal nach vorne darf, um etwas zu rappen. Und wenn man selbst nur allein unterwegs ist ... Ja, allein hat man eben auch weniger Spaß als in einer Crew. (lacht)


    rappers.in: Gerade, was die Auftritte betrifft, ist es ja schon etwas anderes, ob ihr allein oder als Crew erscheint. Bei dir, Sorgenkind, habe ich ein wenig das Gefühl, dass du dich früher vor Crewauftritten betrunken hast und keinen Track mehr performen konntest, aber allein machst du das nicht. Da hat man vielleicht auch eine andere Verantwortung gegenüber dem Publikum ...


    Sorgenkind: Ich hab' das jetzt auch innerhalb der Crew verändert. Wenn man weiß, dass man so und so viel Gage bekommt, kann man sich nicht mehr rotzevoll auf die Bühne stellen. Wir hatten letztens einen Miniauftritt, bei dem wir mit unserem Soundsystem waren – da war ich wirklich sehr betrunken und hab' alles verkackt. Aber nur, weil ich wusste, dass das kein normaler Auftritt war. Ich hab' dafür kein Geld bekommen und die Leute haben keinen Eintritt bezahlt. Man hatte einfach Spaß. Aber wenn die Leute Eintritt bezahlen, möchte ich natürlich schon etwas bieten und meine Gage rechtfertigen können. Mittlerweile.


    rappers.in: Gibt es noch Auftritte, die ihr nur aus Spaß macht? Ohne großartige Gage?


    Clayne: Es käme drauf an, was das für ein Auftritt wäre. Wenn es der Sache an sich dienlich wäre: Ja. Wenn wir zum Beispiel unser Soundsystem mitnehmen und einfach nur auflegen, dann eher für sehr kleines Geld, aber auch sehr lang. Trotzdem ist das an sich eine coole Sache. Insofern: Ich in meiner Position habe kein Problem damit, auch ohne Geld aufzutreten. Aber ich habe auch andere Einkünfte – für mich hängt davon nicht so viel ab ... Und es ist natürlich auch Arbeit, die entsprechend entlohnt werden sollte.


    Djin: Wenn ich kein Geld kriege und mir das nicht passt, dann hab' ich auch keinen Bock, aufzutreten. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich das und das mache und dafür das und das kriegen sollte, dann will ich das auch haben.


    Clayne: Deswegen sag' ich ja: Wenn es der Sache dient. Wenn da zum Beispiel Gigs sind, auf die man richtig Bock hat, sag' ich auch mal: Scheiß aufs Geld. Wenn man die Möglichkeit und Bock drauf hat: Warum nicht?


    (donetasy kommt dazu)


    rappers.in: Möchtest du auch etwas dazu sagen?


    donetasy: Zu was denn?


    rappers.in: Ob du noch aus Spaß an der Freude auftrittst oder ob das eine Geldsache ist?


    donetasy: Nur für das Geld.


    Clayne: Ey, Pierre, erklär mal kurz, was Untergrund ist!


    donetasy: Keine Ahnung. Nee.


    (alle lachen, donetasy geht wieder)


    rappers.in: Gerade in einer Crew erfragt man oft die Meinung der Anderen, wenn es um Soloprojekte geht. Inwieweit beeinflusst ihr euch da gegenseitig?


    Djin: Ich hab' manchmal Punkte, an denen ich mir unsicher bin, weiß aber nicht, warum. Dann kommt einer von den Anderen und sagt: "Das und das stimmt nicht." Und ich sag' dann: Ja, genau das hat mich auch gestört! Aber es kommt manchmal auch vor, dass ich sage: Ist mir egal, das lass' ich so stehen.


    Sorgenkind: Das ist bei mir ähnlich. Die Meinung von den Leuten, mit denen man immer unterwegs ist, ist natürlich schon die wichtigste. Die wissen, wie du tickst und ob das, was du gerade schreibst, wirklich du bist. Und wenn die dann sagen, dass das voll der Schwachsinn wäre, denk' ich da auf jeden Fall eher drüber nach, als über einen YouTube-Kommentar.


    SpliffTastiC: Wenn ich über jeden YouTube-Kommentar nachdenken würde ... hätte ich auf jeden Fall Spaß dabei.


    rappers.in: Stehen aktuell Soloprojekte von euch an? Wer arbeitet gerade an was?


    SpliffTastiC: (in die Runde) Darf ich das verraten? Wir haben es ja grade auch auf der Bühne gesagt, mit dem Sampler ...


    Djin: (laut) Ja, klar darfst du!


    SpliffTastiC: Ich dachte, vielleicht sind wir geheimnisvoll oder so ... (alle lachen) Wir machen auf jeden Fall einen Eypro-Sampler. Vielleicht. Wenn er irgendwann angefangen wird. Einen Track gibt es schon seit einem halben Jahr. Das mal zu uns als Crew. Bei mir persönlich weiß ich's noch gar nicht. Es wird wahrscheinlich ein Album sein, was ich mache, aber ob ich das in diesem Jahr fertig kriege, weiß ich nicht.



    rappers.in: Battle-Geschichten sind bei dir wahrscheinlich auch erst mal Vergangenheit.


    SpliffTastiC: Das ist vorbei, endgültig. Ich hab' da keinen Nerv mehr für. In meinem Regal ist auch gar kein Platz mehr für Pokale. First World Problems. (lacht)


    rappers.in: Würdest du denn mal live battlen?


    SpliffTastiC: Live-Battles hab' ich nie gemacht. Ich bin ein ganz schlechter Freestyler. Das kann ich wirklich nur, wenn ich ganz viel gesoffen habe. Dann kommt einfach irgendwas bei rum, aber das ist mir in dem Zustand dann nicht mehr peinlich, darum ist es dann okay.


    Clayne: Ich könnte mir vorstellen, dieses Jahr vielleicht einen Solo-Track zu machen. (grinst) Das Thema überleg' ich noch. Ansonsten ... Eypro-Sampler, da sind wir alle zu gleichen Teilen dabei. Angesponnen war, dass jeder sowohl einen Solo-Track drauf hat als auch Sachen zusammen, in den verschiedensten Paarungen. Ich gehe da von Feature-losen Sachen aus, also nur von Unter-uns-Rumgeficke.


    rappers.in: Wie ist da der aktuelle Stand?


    Clayne: Das Thema Eypro-Sampler steht schon locker seit ein, zwei Jahren im Raum. Dann wurde sich mal zusammengesetzt, wir haben Beats gehört und dann fanden die immer zwei schwul und drei geil. Also haben wir das dann gelassen. Aber jetzt ist es so, dass wir uns nächstes Wochenende in Zweier- und Dreierkonstellationen im Proberaum einschließen und Bootcamp-mäßig Tracks raushauen wollen, damit wir mal in die Gänge kommen. Im Proberaum deswegen, weil wir da kein Internet und keinen Handyempfang haben ...


    Sorgenkind: (wirft ein) Weil wir da keine Dusche haben!


    Clayne: (lacht) Und das Klo ist so 'ne Saloontür. Insofern: Wenn du Privatsphäre, nach Hause und duschen willst, dann mach jetzt 'nen scheiß Track. Und dann müssen wir uns dazu ein bisschen treten.


    rappers.in: Und dazu machst du dann dieses Jahr noch einen einzigen wahnsinnigen Track.


    Clayne: Einen wahnsinnigen! Ja, ich denke meine anderen beiden kamen ja ganz gut an und darum ... warum nicht? (lacht) Ich hab' meine 2.000 Fans auf Facebook, von denen alle zwei, drei Monate mal 'ne Mail kommt, in der steht: "Wann machste denn mal wieder was?" Und dann sag' ich: Ja, kommt ... Ich sitz' da dran. Insofern gibt's da einiges zu befürchten.


    Sorgenkind: Ich hab' letztes Jahr ein Punkrockalbum aufgenommen, das ist schon fertig. Da drehen wir jetzt das zweite Video. Dann fang' ich bald noch an, eine EP aufzunehmen.


    lupa: (ungläubig) Ein Punkrockalbum?!


    Sorgenkind: Ja, das ist mein Ernst. Das hab' ich mit dem Gitarristen und dem Drummer vom Plot aufgenommen. Dann haben wir noch 'nen Bassisten und eine zweite Gitarre. Ich glaub', die haben das schon vorletztes Jahr aufgenommen und ich hab' meine Texte letzten Sommer dann geschrieben. Nennt sich "Quarterback40" und ist so ein bisschen auf dieses College-Skate-Punk-Rock-Ding ausgelegt. Was man so von Sum41 kennt, aber auf Deutsch. Es hat ein bisschen den amerikanischen Style – nicht sehr, aber man sieht, dass es daran angelehnt ist.


    rappers.in: Wirst du damit auch auftreten?


    Sorgenkind: Wir hatten schon zwei Anfragen, obwohl das Album noch gar nicht draußen ist. Aber die haben wir beide abgesagt, weil wir viel zu teuer sind. (lacht) Das und eine EP kommt von mir. In den nächsten zwei Wochen will ich die aufnehmen, damit ich auch was für die Tour hab'. Richtig viel hab' ich mir aufgebrummt, auf jeden Fall.


    (donetasy kommt wieder)


    donetasy: Hallo, was wollt ihr wissen?


    rappers.in: Was du dieses Jahr noch an Musik machst.


    donetasy: Geile Musik! Ich hab' gestern was aufgenommen.


    rappers.in: Was hast du denn aufgenommen?


    donetasy: (grinst) Sag' ich nicht! Also ... Irgendein Lied halt, aber das hat noch keinen Titel.


    Djin: Ich mach' auf jeden Fall ein Album mit dem Dom, der auch bei "Quarterback40" mitmacht. Ich bin schon ziemlich weit, weiß aber nicht, ob ich das schon fast fertig nennen kann ... ich habe auf jeden Fall 14, 15 Textdokumente, die fortgeschritten sind. Aber es wird ein Rapalbum.


    rappers.in: Lehnt es sich an dein altes Album an?


    Djin: Ich würde behaupten, ich habe mich in eine andere Richtung entwickelt.


    rappers.in: Und wann soll das Ganze releast werden?


    Djin: Das weiß ich noch nicht. Ich will dazu eigentlich noch nichts sagen, bevor es nicht fertig ist. Ich hab' beim letzten Album auf jeden Fall gelernt, dass es scheiße ist, das anzukündigen. Dann hängst du nämlich rum und kannst keine Termine einhalten und da hab' ich keinen Bock mehr drauf. Wenn es fertig ist, ist es fertig und dann kümmer' ich mich darum, dass das auch alle wissen.


    Eypro-Kumpel & VBT-Teilnehmer 2013 Oby: (schnappt sich das Aufnahmegerät) Darf ich jetzt auch mal was sagen? (blickt triumphierend um sich) Ich hab' die Redetüte in der Hand! Also. Wir haben jetzt ja 2014. Und davor war 2013. Und 2013 stand ja im Zeichen der "Palina". Man kennt ja das Kollaboalbum von mir und Tjark, der auch bei Eypro ist, aber heute leider fehlt, weil er arbeiten muss. 2014 wird natürlich auch wieder eine Kollaboration zwischen uns stattfinden. Und zwar wird es eine Fortsetzung werden. Würde unser erstes Album "Eins" heißen, würde das jetzt "Zwei" heißen, aber das erste Album hieß natürlich "Palina" und das zweite wird jetzt natürlich "Rojinski" heißen.


    rappers.in: Bist du auch auf dem Eypro-Sampler drauf?


    Oby: Ja, ich steuer' die meisten Beats bei.


    rappers.in: Und was ist deine sonstige Funktion bei Eypro, um das mal kurz zu definieren? In einem Wort?


    Oby: Schön!


    rappers.in: Vielen Dank! Zurück zum Thema: Ihr habt bisher noch nie gemeinsam über den Namen Eypro eine Platte releast, werdet aber oft zusammen als "Band" für Auftritte gebucht. Was denkt ihr, woran das liegen könnte?


    Djin: Es ist wahrscheinlich billger für die Veranstalter, alle gebündelt zu haben. Dann zieht eben jeder ein bisschen. Es gab ja Alben von uns, nur nicht als Crew. Und wenn man uns bucht, bringt jeder seinen Teil mit. Man hat uns live ja auch schon sehr früh gesehen – dann hat sich das hier und da vielleicht auch rumgesprochen.


    rappers.in: Apropos Auftritte: Da ihr viel in Deutschland rumkommt, würden wir gerne wissen, was für jeden von euch die jeweils beste Stadt war, in der ihr bisher gespielt habt und warum? Und im Gegenzug dazu: Wo würdet ihr am liebsten nie wieder auftreten?


    SpliffTastiC: Boah, das ist schwierig (überlegt) Die Stadt an sich war nicht so schlimm, aber die Berlin-Jam war echt super scheiße. Die erste war noch okay, aber die zweite war furchtbar. Da ist einfach alles scheiße gewesen. Und Landshut war auch ganz furchtbar. Berlin ist eigentlich eine coole Stadt, deswegen glaub' ich nicht, dass ich wegen dieser Jam die Stadt verurteilen möchte. Und gut war natürlich Aurich – Aurich ist immer geil, wenn ich mal da bin. Das war's auch schon ... Ich trete ja auch nie auf, ich fang' jetzt erst wieder damit an.


    Clayne: Ich würde bei den besten Städten und Jams – nicht auf einer Augenhöhe, aber in einem Atemzug – auf jeden Fall Aurich und Aalen nennen. Mile of Style ist sowieso ein mega Ding. Und in Aalen ist das Double-A-Festival, auf dem wir zweimal aufgetreten sind. Da war das erste Mal noch geiler als das zweite. Die Stimmung war einfach unfassbar.


    Djin: Das war das erste Mal, dass wir richtig viel Resonanz bekommen haben.


    Clayne: Genau. Es gibt ein Video auf YouTube vom Ende, das jemand hochgeladen hat. Da haben die Leute geschrien und gebrüllt und hatten alle ihre Hände oben ... Dabei lief das Outro von "Ruderboot" – das war so ein krasser Moment. Und in Aurich sind diese Ostfriesen und Feierschweine, das ist halt krass. Was Akzeptanz und Fannähe angeht, ist Aurich zweifellos über allem erhaben. Das Schlimmste war für mich bisher die "HipHop meets Comedy"-Jam in Recklinghausen. Das war folgendermaßen: Wir, Rec-Z, Kevnox und Olson Rough sind da aufgetreten. Das Schlimme an dieser Jam war aber der Comedian, der zwischen den Auftritten immer aufgetreten ist, der UlbstMichel. Der hat einen Scheiß erzählt, das war unfassbar. (lacht) Es waren ungefähr eineinhalb Leute in der riesigen Halle, sodass sich die Leute noch mehr verloren haben. Dann wollte Olson irgendwann nicht mehr auftreten, weil er keine Gage mehr bekommen sollte, und wir haben ihn dann doch dazu überredet. Wir haben da auch einen krass beschissenen Auftritt hingelegt.


    SpliffTastiC: Ich hab' einen Track mit ihm gespielt und er hat gemerkt, dass ich meinen Part verkacke. Da hat er mich von der Bühne gejagt. (lacht)


    Sorgenkind: Ich fang' mal mit der schlechten Jam an. Da fällt mir Lingen ein. Da waren auch Weekend und Olson dabei, die jetzt eben ganze Hallen füllen würden. Es war in einem Jugendzentrum und keine Sau war da. Die Lingener Jugend stand auf der Straße und ist nicht reingekommen, weil's zu teuer war. Wir sind also aufgetreten, während die ganzen Kinder draußen waren und illergalerweise getrunken haben. Die waren alle superjung. Der Veranstalter meinte die ganze Zeit: "Schlafplatz ist save, notfalls pennt ihr bei mir." Irgendwann kam er dann und hat gesagt: "Bei mir pennen ist schlecht, aber ich mach' euch das auf jeden Fall klar." Nachdem er niemanden gefunden hat, bei dem wir pennen konnten, sollten wir dann in der Location schlafen. Dann hieß es: "Ihr dürft nicht in der Location pennen, aber ich kann da jetzt auch nichts machen und fahre dann zu meiner Freundin nach Hause." Und wir standen da. Lingen ist so ein Kaff, da ist die nächste Bahn erst um 7 oder 8 gefahren. Um 2 war die Jam zu Ende, dann sind wir noch mit dieser Jugendzentrumscrew durch die Stadt gelaufen und waren in irgendwelchen kack Läden, um uns wachzuhalten. Das hat aber nur zwei Stunden gebracht. Ich weiß noch, dass wir dann am Bahnhof lagen. Patrick konnte gut schlafen, Clayne so ein bisschen. Da war so eine scheiß Wespe, die immer, wenn ich einschlafen wollte, zu mir geflogen ist. Irgendwann hab' ich dann aufgegeben und gesagt: "Okay, Wespe, du hast den Kampf jetzt gewonnen."


    Clayne: Dazu möchte ich noch kurz etwas sagen: Warum auch immer hatte ich nur ein T-Shirt an und es war nachts richtig behindert kalt. Von Niko hab' ich dann ein T-Shirt bekommen, das er bei seinem Auftritt anhatte. Das war extrem verschwitzt, ist ja klar. Da haben sich mein Schweiß und sein Schweiß zusammengemischt und ich lag vor diesem Bahnhofsgebäude, das zu war. Irgendwann bin in ich dann in die Stadt gegangen und hab' eine Sparkasse oder sowas gesucht, wo es warm sein könnte. Ich hab' tatsächlich eine Bäckerei gefunden, bei der aus dem Bodenschacht warme Luft rauskam, weil die grade am Backen waren. Ich stellte mich also kurz dahin und genau dann haben sie aufgehört, zu backen. (alle lachen) Ich bin so unfassbar deprimiert zu diesem scheiß Bahnhof zurück und hab' danach nur noch versucht, Bienen zu verjagen.


    Sorgenkind: Positiv war für mich Aurich und spätestens seit heute auch Wiesbaden. Ansonsten fand ich auch die ganzen Städte um Stuttgart herum immer geil. Natürlich Aalen, aber auch Stuttgart selbst war immer krass – auf dem HipHop Open ist zum Beispiel immer eine geile Stimmung. Denis und ich waren da mal als Support von Mac Miller und der Auftritt war mitunter am krassesten. Immer, wenn da unten in der Ecke was ist, wird das 'ne richtig geile Sause.



    rappers.in: Kommen wir auf euer Live-Set zu sprechen: Wie wählt ihr aus, was gespielt wird?


    Clayne: Es war zehn Jahre lang immer das Gleiche, bis wir neue Tracks hatten. Es ist immer so, dass es egal ist, ob Tracks schon fertig sind oder es nur Previews gibt. Den "Jäger" von Djins kommendem Album gibt's zum Beispiel nur als Preview-Aufnahme, der wird trotzdem schon live gespielt.


    rappers.in: Gibt es auch Tracks, die ihr persönlich nicht mehr gerne spielt, die aber immer wieder von den Fans verlangt werden?


    Djin: Nee, nicht mehr. "Partybitch" war ziemlich lange drin, oder "Live jetzt noch krasser".


    Clayne: "Ashley" war auch tierisch lange drin, aber der hat live nie so gut funktioniert wie auf Aufnahme. Oder "Egal" – das war der erste Track von Djin, Sorgenkind und mir zusammen. Auf den hab' ich immer noch Bock. Aber man muss natürlich auch gucken, wo man spielt und danach bereitet man das Set vor. In der Regel ist das so: Wenn wir proben – man glaubt es nicht, aber wir proben unsere Auftritte auch –, gucken wir, was wir spielen. Die Reihenfolge von heute haben wir zum Beispiel erst auf der Fahrt festgelegt. Wie wir Bock haben. Man guckt schon ein bisschen auf die Jam und sagt dann auch mal: "Da sind jetzt solche Realkeeper, da passt "Partybitch" nicht." Aber wir haben schon eine Konstante im Set, die immer durchläuft.


    rappers.in: In einem Eypro-Interview darf natürlich auch das Thema VBT nicht fehlen. In dem Turnier seid ihr alle sehr erfahren und konntet ganze drei VBTs für euch entscheiden. Inwiefern hat das VBT Einfluss auf eure Crew und eure Musik genommen?


    Djin: Gar nicht?!


    SpliffTastiC: Doch, ich wäre nämlich gar nicht da ohne das VBT. Das kannst du ein bisschen zurückführen wie in der Schulzeit. Es gibt diesen festen Kreis an Leuten, den du kennenlernst und der sich immer erweitert. So ist das auch mit dem VBT – man hat irgendwann angefangen, die Leute kennengelernt und die, mit denen man sich gut verstanden hat, mit denen versteht man sich auch weiterhin, trifft sich und macht Musik. So bin ich auch dazugekommen. Die Anderen kannten sich schon, bevor es mich gab.


    rappers.in: Aktuell startet die diesjährige VBT Splash!-Edition – habt ihr in dem Zusammenhang Tipps an die Teilnehmer, die es ins Turnier schaffen? Gerade, weil das Ganze in diesem Jahr erstmals ein Crewbattle ist.


    (alle überlegen)


    SpliffTastiC: Besser sein als der Gegner! Bam!


    Sorgenkind: Erstmal ein Crewbild schaffen, damit man auch die Vorteile aus dem Crewbattle nutzt. Man muss nicht stumpf 16er aneinanderreihen, sondern kann Parts ineinander übergreifen lassen. Es gibt viele Vorteile, die man als gute Crew aus so einem Battle rausholen kann.


    rappers.in: Es gibt Crews, die sich jetzt nur spontan zusammengeschlossen haben, um an der Splash!-Edition teilzunehmen – zum Beispiel "Brennpunkt" mit Komajack, J.C., mcd und Jaspa. Denkt ihr, das bringt Nachteile mit sich?


    Sorgenkind: Diese Komajack-Leute feier' ich richtig hart. Aber ich glaube, da hat die Royalfam diesen entscheidenden Vorteil – die sind super eingespielt und mega lange zusammen aktiv. Die waren nie so wirklich bekannt, sind aber immer ihre Schiene gefahren mit einheitlichen Beats ... die Videos sind alle top und die überzeugen einfach als Crew. Vor allem machen die auch Musik zusammen – es geht am Ende um einen Splash!-Auftritt und sie haben schon ein gutes Repertoire an Tracks. Ich glaube, die könnten sofort etwas Cooles spielen.


    rappers.in: Werdet ihr das Turnier auch verfolgen?


    Sorgenkind: Ich verfolg' das schon immer – mal mehr und mal weniger interessiert. Das normale VBT hat irgendwann nachgelassen, weil's einfach zu viel war. Diese ganze Internetbattlegeschichte war irgendwann ausgeschlachtet.


    rappers.in: Hast du dir die VBT Splash!-Edition-Qualis angeschaut?


    Sorgenkind: Ich weiß, welche acht Teilnehmer gesetzt sind ... und dass Primatune nicht in die gesetzte Auswahl gekommen ist. Und Pilz kann man auch voten! Ich werd's auch gucken. Es ist immer so die Frage, wie interessiert man das jetzt verfolgt, aber ich würde nie sagen, dass ich das gar nicht anschaue.


    rappers.in: Hast du denn einen Favoriten?


    Sorgenkind: Von den Rappern an sich würde ich Komajack und mcd am meisten feiern, aber gerade in diesem Crewkontext wird die RoyalFam ihren Vorteil gut nutzen können. Deswegen wären die in diesem Turnier, glaube ich, meine Favoriten.


    rappers.in: Wir würden gerne noch über die aktuelle Lage zwischen euch und 3Plusss sprechen – könntet ihr uns kurz erzählen, was genau zwischen euch vorgefallen ist und wie ihr aktuell zueinander steht?


    Sorgenkind: Bei Denis war einfach das Ding, dass er irgendwann eine richtig große Nachfrage hatte und es bei ihm steil nach oben ging. Diese Crewgeschichte hat ihm auf jeden Fall Spaß gemacht, aber ich glaube, irgendwann war ihm das auch zu viel. In dem Moment wollte er sich auf sich selbst fokussieren und hat seine Priorität so festgelegt – wir verstehen uns aber nach wie vor. Wenn wir zusammen rumhängen, haben wir immer noch dieses Crewgefühl. Aber so hat man halt gesagt: Er hat gerade eine super Gelegenheit und er soll jetzt alles rausschöpfen. Da wollen wir ihn auch nicht bremsen.


    rappers.in: Kurz vor Ende des Interviews haben wir noch eine kreative Aufgabe für euch dabei. Wenn ihr das Leben eures jeweils linken Nachbarn mit einer Deutschrapplatte beschreiben müsstet – welche wäre das dann?


    Djin: (über Sorgenkind) Caspers "Hin zur Sonne", wegen "Hundeleben"!


    Sorgenkind: Das Album hab' ich in der Tat sehr oft gehört, und "Hundeleben" besonders. (über Clayne) Ich muss mal überlegen ...


    Djin: Irgendein Frauenarzt-Album! (lacht)


    Sorgenkind: Das Album, das ich mit Clayne verbinde, ist Damion Davis' "Am Ende des Tunnels". Ich müsste das auch nochmal hören, verbinde dieses Album aber einfach mit ihm. Er hat das damals auf und ab gehört und da sind so viele "Gute-Laune"-Songs drauf ... und so ist er auch. Er hat mich da voll auf den Geschmack gebracht und darum ist das sein Album für mich.


    rappers.in: Zum Abschluss des Interviews und zu Beginn des neuen Jahres: Worauf wird heute noch mit dem Methorn angestoßen?


    Djin: Auf den Moment!


    Clayne: Am meisten wird angestoßen, wenn der Schlachtruf "Methorn!" ausgerufen wird und wir dann anstoßen können.


    rappers.in: Und in das Methorn darf alles rein?


    Clayne: Ja, in das Methorn darf alles rein. Tatsächlich war in unserem Methorn niemals Met drin. Und auch noch nie Pisse. Da kommt Bier rein, Likör, Likör-Mische, Zappo, Apfelkorn oder Wein ... Das geht alles, bis auf Met.


    rappers.in: Wird das auch mal gewaschen?


    Clayne: Das wird gewaschen, wenn wir das nächste Mal wieder draus trinken. So halten wir diesen Horngeschmack drin.


    rappers.in: Na gut ... SpliffTastiC, dir gebührt jetzt das allerletzte Wort, weil du schon lange nichts mehr gesagt hast.


    SpliffTastiC: (grinst) Hallo, ich bin SpliffTastiC aus dem Internet und mache nie wieder beim VBT mit, weil ... das reicht jetzt auch mal.



    (Florence Bader & Pascal Ambros)

  • Zitat

    Original von Wermen
    Ist mir zu lang.
    Worum gehts?


    Tl;dr es steht nichts fest, außer Sorgenkind's Punkrockalbum.

  • Die kleine auf dem Bild vom Auftritt (zu sehem am ellenbogen von NUG) scheint ihren Spaß zu haben. Ansonsten korrekte Jungs hoffe Spliff nutzt diese noch seicht vorhandene VBT Welle

    all y'all records sound the same
    I'm sick of that fake thug, R&B-rap scenario, all day on the radio
    Same scenes in the video, monotonous material

  • Einfach nur coole Jungs. Props an Lupa für das Interview, war sehr interessant zu lesen.


    Du hast - wie so oft - unrecht und bist mir peinlich. Ich schäme mich diesen Müll gelesen zu haben und noch mehr, dir geschmacksbehinderten Untermensch zu antworten. Ich habe Recht, du Unrecht, ciao. Aus.

  • Sehr schönes Interview, ich freu mich echt schon auf die Sorgenkind EP.

    PEACE LOVE HAPPINESS
    - Der Seehund aus dem Internet


    +They always expect the Monster. And It's always just some bloke.
    There ain't no monsters. There's no great saving grace.
    No us and them. There's just us. - Hellblazer+

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