Review: MC Bogy & Medizin Mann – Verbales Kokain



  • 01. Intro feat. Basstard
    02. 45er Kaliber
    03. H.K.E.N.M.K.
    04. Ausgestoßene
    05. Großstadtdschungel
    feat. Heval
    06. Verbales Kokain
    07. Flieg mit mir
    08. Blutiger Asphalt
    feat. Ozan, Täterprofil & Raper Pimp
    09. Keine Erklärung
    10. Frag uns nicht warum
    feat. Basstard
    11. Keine Regeln
    12. Das sind wir
    feat. Frauenarzt
    13. Verzeih mir feat. Ozan
    14. Kein falscher Schein
    15. Scarface Style
    feat. Tarek (K.I.Z.)


    Authentizität. Warum diese Eigenschaft in der (Berliner) Rapszene derart hoch angesehen ist, wird mir wohl nie verständlich sein. Gerade MC Bogy ist hier der beste Beweis dafür. Immer wieder wird er dafür gelobt, authentisch zu sein. Sicherlich, das ist nichts Verkehrtes und Bogys Authentizität war laut Angaben Savas' mit der Grund, wieso er gar zwei Features mit diesem zu seiner Diskografie zählen kann. Letztlich trägt das aber zu meinem Hörgenuss wenig Positives bei, wenn ich nun eben weiß, dass er das auch lebt, was er erzählt. Vor allem dann, wenn er mir einfach sonst wahrhaftig absolut keinen Grund gibt, ihn theoretisch feiern zu können.


    "Das Blut fließt in den Gossen, die Uzi rattert zum Takt/
    Medizin Mann und Bogy, wir sind ein mörderischer Pakt/
    Pack, Pack, es geht ab, hat jemand Lust, uns zu testen/
    Homie, das ist kein Warnschuss, das sind Kugeln, die treffen/
    "
    (MC Bogy auf "45er Kaliber")


    Auch auf "Verbales Kokain" begegnet mir das Problem, das ich mit MC Bogys Musik generell habe: Man kann sich zu mindestens 99% sicher sein, dass er einfach immer dasselbe erzählt. Und ebenso zu 99%, dass er das schlecht macht. Immer das gleiche "Du, ich hab' 'ne Waffe und ich benutz' die auch, aber ich könnte dich auch hauen"-Gebrabbel, das Ganze verpackt in dem immergleichen Flow, den fiesesten Haus-Maus-Reimen und einem Wortschatz, der kaum über "Messer", "harte Zeiten" und – unangefochten auf Platz 1 der beliebtesten Wörter eines jeden Gangsterrappers – "Straße" hinausreicht. "Groß" auf "tot", "Diagnose" auf "Patrone", "Außenseiter" auf "weiter", "täglich" auf "möglich". Darf ich vorstellen? Bogys Reime aus einem zufällig herausgepickten 8-Zeiler des Albums. Mir ist durchaus bewusst, dass einige nun mit "Du kannst ihn aber nicht darauf reduzieren, darauf kommt es bei ihm doch gar nicht an" kontern werden. Aber, liebe Bogy-Anhänger: Was macht denn euer Idol aus? Ich kann es mir nicht erklären. Und wenn ihr mit "Authentizität" – sofern ihr es aussprechen könnt – um die Ecke kommt, kann ich für nichts mehr garantieren. Nun ja, zurück zu Bogy: Wenn der gute Herr dann doch etwas anderes erzählen will, als seine Schwänke vom harten Pflaster, dann müssen es allen Ernstes Phrasen wie "Egal, ob Moslem oder Christ, unser Herz ist das gleiche" sein. Leute, diese biologischen Erklärungsversuche für Unterschiede zwischen verschiedenen Religionen haben wir nach der Sarrazin-Debatte für falsch erklärt, wir wissen das.


    "Ich ziehe einfach meine Waffe und schrei' 'Überfall'/
    Früher gab es so 'ne Scheiße nicht und jeder war chillig/
    Und heut' verkauft sich jeder Spast und ist einfach nur billig/
    "
    (Heval auf "Großstadtdschungel")


    Es ist ja fast schon etwas gemein, diesen mir bis dato vollkommen unbekannten Rapper namens Heval hier so bloßzustellen, aber was diesen Mann dazu getrieben hat, ein Mic in die Hand zu nehmen und es auch noch zu benutzen, will sich mir nicht erklären. Diese unfreiwillige Komik vom Allerfeinsten wollte ich euch nicht vorenthalten, die man von seiner Seite auf "Großstadtdschungel" zu hören bekommt. Auch gut: "Hin und her, auf und ab, jeder Weg führt bergab". Hörst du überhaupt selbst, was du da redest, junger Herr?
    Ach ja, da war ja noch wer. Medizin Mann. Ja, was soll ich sagen? Interessanter Rapper, ein recht eigensinniger Künstler, der durchaus bereits den ein oder anderen guten Part abgeliefert hat. Das Problem hier: Er ist nicht umsonst beim Label "Horrorkore", das passenderweise den Namen eines HipHop-Subgenres trägt. An Bogys Seite musste er wohl oder übel einige sehr große Kompromisse eingehen und konnte so seine Stärken absolut nicht ausspielen. Ein Horrorkorerapper kann eben nicht einfach mal so Straßenrap machen. Soll nicht heißen, dass das jeder Straßenrapper könnte. Die Features auf "Verbales Kokain" dürften Beweis genug hierfür sein. Raper Pimp lässt grüßen: "Ich bin ein guter Mensch und lass' mich nicht schlechtreden/ 90% meiner Brüder führ'n ein Knastleben/". Von einer Mischung aus Straßenrap und Horrorcore kann man auf dem Album leider auch nicht sprechen, da ersterer leider deutlich die Oberhand behalten hat. Trotzdessen weiß Medizin Mann – wenn auch nicht textlich – durch seinen eigenen Flow und seine Stimme noch einigermaßen zu überzeugen und rettet meiner Meinung nach das Album so gerade noch davor, eine totale Nullnummer zu sein.


    "Die Panzer roll'n, der Krieg beginnt, so versteck dich, geh nicht raus/
    Ich konfrontier' dich mit der Wahrheit und du kannst keinem mehr trau'n/
    Wenn wir kommen, dann herrscht die Angst, denn das Inferno naht heran/
    Scharfe Geschütze aufgezogen, den Kampf führt Vater Staat/
    "
    (Medizin Mann auf "Verbales Kokain")


    Fazit:
    "Verbales Kokain" ist ein Projekt, das von Grund auf nicht funktionieren konnte. Medizin Mann kann in Kombination mit MC Bogy scheinbar nicht einsetzen, was ihn eigentlich ausmacht. Was soll ein durchaus talentierter Horrorcore-Rapper auch auf Pseudo-Oldschoolbeats, die stellenweise geschmackloser sind als Bogys Jacke auf dem Cover? Und was soll er neben einem 0815-Straßenrapper, der seit Anbeginn seiner weit über 10-jährigen Karriere immer nur "Peng, peng, box, box" erzählt und – bei allem Respekt – immer noch nicht rappen kann (und wenn er sich diesem auch noch anpassen muss)? Nächstes Mal bitte ein Kollabo-Album mit Basstard. Na ja, egal mit wem, nur nicht mit Bogy. Oder Heval.



    (TonySunshine)



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  • naja ich hab mir die kommentare durch gelesen über das album aber will ich mich selber überzeugen ich kenne ziemlich viele tracks von bogy hab auch ein zwei alben von dem hier rumfliegen aber in einer sache gebe ich dem Review schreiber recht er leiert immer dass selbe und das machen seine lieder langweillig deswegen kann man ein lied von ihm auch nicht öfter als einmal anhören -.-'

  • Ich sehs eigentlich wie Tonys Artikel.. Bogy rappt schon ewig..Eine Steigerung war nie zu erkennen. Klar, er hat mit Savas gerappt.. Aber besser macht ihn das jetzt nicht.


    Ich denke Bogy hätte mehr Potential gehabt. Aber nach Jahren immer noch den gleichen shit zu hören... Ohne Steigerung... Mies.


    Die rev. sehe ich nicht als schlechtmachend an, man sollte mal realistisch bleiben, Tony hat da schließlich keine Unwahrheiten oder Müll erzählt. Für mich sind das Fakten, jedenfalls was Bogy betrifft... Und Fakten können einen eben auch mal schlecht machen.


    Greetz
    Duke

  • Auch wenn die Review schon was älter ist, ich geb auch nochmal meinen Senf dazu.



    Zitat

    Original von FreakyFrike
    wenn man alles einfach so in den dreck zieht
    kann man genauso kks als lachnummer hinstellen..


    Man, man, man.
    Du stellst ja wahnwitzige Vergleiche an!



    Zitat

    Original von Duke
    Ich denke Bogy hätte mehr Potential gehabt. Aber nach Jahren immer noch den gleichen shit zu hören... Ohne Steigerung... Mies.


    Greetz
    Duke


    Ich denke, sofern ich das überhaupt beurteilen kann, das liegt schlicht und einfach daran das sich an Bogys Leben rein garnichts geändert hat.


    Wenn du nichts neues erlebst, kannste nix neues erzählen.



    Zur Review:
    Wie gesagt, ich lese Reviews zu solchen Alben am Liebsten!

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